
Es wird die Bayern wahrscheinlich gewurmt haben, dass die Gladbacher lange Zeit nach dem Transfer-Krösus der Sommerpause aussahen. Mit dem Kauf von Javi Martinez für 40 Millionen Euro sorgt der Rekordmeister wieder für klare Verhältnisse und einen Bundesliga-Rekord.
Insgesamt fast 30 Millionen Euro hatten die Fohlen bisher in Spieler wie Luuk de Jong (12 Millionen Euro Ablöse) oder den Schweizer Granit Xhaka (8,5 Millionen Euro Ablöse) investiert und lagen damit in den Gesamtausgaben an Platz Eins vor den Münchnern. Diese schrauben ihre Ausgaben durch die Rekord-Ablöse von allein 40 Millionen Euro für den spanischen Welt- und Europameister auf insgesamt fast 60 Millionen hoch. Ohne dabei, wie Präsident Hoeneß stolz verkündet, in die Kreditabteilung gehen zu müssen.
Bemerkenswert ist, das Javi Martinez (vollständiger Name: Javier Martinez Aguinaga) auf angeblich 25% seines Gehaltes verzichtet, um den Transfer mitzufinanzieren. Aber der Mann möchte weitere Titel gewinnen und die Chance ist bei einem Top-Club einfach höher als bei Bilbao.
Mit dieser Ablöse sprengt der Spanier jedenfalls alle Rekorde der Bundesliga: Bisher war Edin Dzeko mit einer Ablöse von 37 Millionen Euro bei seinem Wechsel vom VfL Wolfsburg zu ManCity der teuerste Liga-Transfer, gefolgt von Mario Gomez, für den die Bayern im Jahr 2010 noch 30 Millionen Euro auf den Tisch legten.
Die teuersten Transfers der Bundesliga
- Javi Martinez | 40 Millionen | Von Athletic Bilbao zum FC Bayern München
- Edin Dzeko | 37 Millionen | Vom VfL Wolfsburg zu Manchester City
- Mario Gomez | 30 Millionen | Vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München
- Diego | 27 Millionen | Von Werder Bremen zu Juventus Turin
- Franck Ribéry | 25 Millionen | Von Marseille zum FC Bayern München
Viele Manager fragen sich nun natürlich, ob der Mann für dessen Preis man beispielsweise auch einen Nuri Sahin hätte haben können, die Ausgabe wert ist und ob es sich lohnt, den Spanier für die eigenen Reihen zu verpflichten. Wir wollen einen Blick auf die “Features” des teuersten Bundesliga-Transfers aller Zeiten werfen.
Schon in jungen Jahren Führungsspieler
Mit 18 Jahren wechselte Javi Martinez aus der zweiten Mannschaft von CA Osasuna zum Rivalen Athletic Bilbao. Sein neuer Verein ließ sich die Dienste des Talents stolze 6 Millionen Euro Ablöse kosten – schnell wurde klar, warum: Bei den Basken etablierte sich der Youngster auf Anhieb zum Stammspieler, wurde zum Dreh und Angelpunkt. Er stemmte sich mit dem Team erfolgreich gegen den Abstieg und führte Bilbao bis ins Finale der Europa-League und ins Pokal-Endspiel.
Er dominierte das Spiel seiner Mannschaft durch Physis und taktisches Geschick, pendelte zwischen beiden Strafräumer als Regisseur im Angriff und vorderster Verteidiger in der Abwehr. Mit seiner Dynamik ist der großgewachsene Mittelfeldmann mit starkem Zug nach vorne ein Antreiber und Arbeiter. Er glänzt durch seine gute Ballführung und geht auch gerne selber weite Wege mit dem Spielgerät.
Als Not am Mann war, funktionierte ihn Trainer Marcelo Bielsa kurzerhand zum Innenverteidiger um, eine Rolle, die Martinez aufgrund seiner großen Zweikampfstärke spielend meisterte. Natürlich kommt ihm in dieser Rolle auch seine Größe von 1,90 Meter und seine Kopfballstärke zu Gute.
Titelhamster
Seit der U17 spielte Martinez durchgehend in allen Jugendnationalmannschaften seines Heimatlandes. Mit der U21 führte er im Jahr 2011 Spanien als Kapitän zum Titel bei den EM, mit der U19 wurde er ebenfalls Europameister.
Auch in der A-Nationalelf ist der geborene Leader für die Zukunft unter Nationalcoach Vincente del Bosque fest eingeplant, absolvierte bereits acht Partien und reiste als 21-Jähriger zur Weltmeisterschaft 2010. Er darf sich somit offiziell Weltmeister nennen, hatte aber in Südafrika nur einmal in der Vorrunde einen gut 20-minütigen Anteil am Titel.
Trotdem hält del Bosque große Stücke auf den Neu-Münchner: “Er hat eine so tolle Physis. Für einen Mittelfeldspieler ist er prädestiniert” Bei der EM2012 in Polen und der Ukraine reichte es dennoch erneut nur zu einem Kurzeinsatz. Die Konkurrenz bei der “Roja” ist allerdings auch sehr groß, im Mittelfeld steht Sergio Busquets knapp vor dem Mittelfeldakteur, in der Innenverteidigung sind Sergio Ramos und und Gerard Piqué gesetzt.
Die Schattenseite
Eine große Enttäuschung war für Javi Martinez das Olympische Fußballturnier im Jahr 2012 in London: die hochgehandelten Spanier schieden bereits nach der Gruppenphase aus.
Sucht man nach weiteren Schwachstellen fällt die hohe Anzahl an Karten auf, die der Neuzugang aus Bilbao in 201 Ligaspielen sammelte: 58 mal sah er die gelbe Karte, zweimal verließ er mit Gelb-Rot den Platz, dreimal mit Rot. Sein Temperament wird Martinez also noch zügeln müssen.
Javi Martinez – Was kann der neue Superstar?,
























