Man durfte sich durchaus ein wenig darüber wundern, was am 4. Bundesliga-Spieltag auf dem Aufstellungsbogen im Spiel zwischen dem 1. FC Köln und RB Leipzig zu sehen war – oder was vielmehr nicht zu sehen war: der Name Alessio Castro-Montes. Lukas Kwasniok klärte nun den Hintergrund auf. Bemerkenswert: Der Cheftrainer leistete dabei öffentlich Abbitte.
„Ich habe einen Fehler gemacht, dass ich ihn nach der Länderspielpause in Wolfsburg reingeworfen habe“, sagte er am Mittwoch fast schon betroffen. Castro-Montes kam beim 3:3 gegen die Wölfe in der 64. Minute rein. Dabei hatte er zuvor kaum mit den neuen Kollegen trainiert, „die Namen teilweise nicht gewusst“. Kwasniok war nach den ersten Eindrücken dennoch „Feuer und Flamme“ und sagte sich: „Den werfe ich rein.“
Das ging jedoch nach hinten los. „Er hat es nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt, aber der Junge war noch gar nicht hier angekommen. Ich habe etwas von ihm gefordert, was er in der Form gar nicht hat bringen können.“ Als Kettenreaktion folgte auf eine „nicht optimale“ Spielleistung ein „nicht optimales“ Training und sodann die Nichtnominierung für den Kader. Der Belgier sollte zu Hause mal durchschnaufen, so Kwasniok.
Kwasnioks Kader-Joker für beide Seiten
Am Spieltag darauf kam es zumindest zur Rückkehr ins Aufgebot, Minuten blieben aber aus. Kölns Coach sucht den Fehler bei sich. „Es gehört dazu, nicht immer den Spielern die Schuld für etwas zu geben. Er konnte nicht so funktionieren, wie jeder es sich erhofft hatte.“ So müsse er sich in Selbstreflexion üben und sagen: „Tut mir leid, Monty! Den Schuh muss ich mir anziehen.“
Grundsätzlich habe Castro-Montes den Geißböcken viel zu geben, ist Kwasniok überzeugt. „Er ist ein inverser Spielertyp auf beiden Seiten“, könne marschieren und habe auch Spielwitz. Im Training laufe es mittlerweile auch immer besser.
Seine Einsetzbarkeit auf beiden Seiten bietet zudem Vorteile für die Kaderzusammenstellung: „In der Kadersituation ist es so, dass ich gerne die Schienen- bzw. Außenverteidiger-Positionen mit zwei Spezialisten besetzt habe und einem Spieler, der beide Seiten abdecken kann – das kann Monty“, erläuterte Kwasniok.
Leidtragender ist Jusuf Gazibegović, der hinter jenen „Spezialisten“ (Sebastian Sebulonsen und Kristoffer Lund), Castro-Montes und weiteren Alternativen wie Jan Thielmann, Linton Maina oder Jakub Kamiński das Nachsehen hat und dem zuletzt dreimal nur der Tribünenplatz blieb.