Michael Gregoritsch durfte nach längerer Durststrecke bei seinem alten Arbeitgeber in Hamburg (1:1) mal wieder von Beginn an ran. Der Österreicher überzeugte mit einer guten Leistung, verpasste es jedoch, sich mit einem Treffer zu belohnen. Insbesondere bei Standards ist er für Augsburg-Trainer Manuel Baum extrem wichtig. Doch reicht das auch, um erneut im Sturmzentrum den Vorzug gegenüber Rodrigo Ribeiro zu erhalten?
Nach seinem Doppelpack Ende Januar gegen den FC St. Pauli (2:1) fiel Gregoritsch in ein kleines Formloch. Lediglich ein Joker-Tor (beim 3:2-Sieg in Wolfsburg) gelang dem ehemaligen Freiburger in den folgenden acht Bundesligapartien. Zwischenzeitlich verlor er seinen Startplatz an Rodrigo Ribeiro, der bei seinem Startelf-Debüt für den FCA in Wolfsburg direkt traf. Auch im darauffolgenden Heimspiel gegen den 1. FC Köln (2:0) netzte der Portugiese (Winterneuzugang von Sporting Lissabon B) sehenswert per Hacke.
Es scheint ein Duell auf Augenhöhe im Sturmzentrum zu sein: Gregoritsch (drei Tore in zwölf Partien) und Ribeiro (zwei Tore in acht Spielen). Zumindest bei Standards sieht Baum einen Vorteil beim 1,93 Meter großen Angreifer: „Es sind zwei unterschiedliche Spielertypen. Die beiden ergänzen sich sehr gut. Das Thema Standardsituationen wird in der Bundesliga immer wichtiger, und da hat man mit ‚Gregerl‘ auch eine Komponente mit drin.“
Der gebürtige Grazer habe laut seines Trainers „ein gutes Spiel gemacht gegen Hamburg“. In der Anfangsphase tauchte Gregoritsch gleich zweimal gefährlich im HSV-Strafraum auf. Nach wenigen Minuten setzte er die erste Chance über das Tor, kurz darauf holte er beinahe einen Elfmeter gegen Miro Muheim heraus. Schiedsrichter Deniz Aytekin war der Trikotzupfer jedoch zu wenig für einen Strafstoß. In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs zeigte sich zudem Gregoritschs Fairness: Nach einem vermeintlichen Foulspiel von Fabio Vieira gab er im Gespräch mit Aytekin zu, nicht getroffen worden zu sein. Der Unparteiische revidierte daraufhin seine Freistoß-Entscheidung für Augsburg.
Zwei Stürmertypen – eine knifflige Entscheidung
Nach der Fairness-Szene des Spieltags verpasste Gregoritsch in der zweiten Halbzeit nach dem Hamburger Ausgleich gleich doppelt seinen ersehnten Treffer. Zunächst setzte er eine Flanke von Marius Wolf per Kopf knapp links neben das Tor, ehe er aus kurzer Distanz am Pfosten scheiterte. Auch defensiv hatte Gregoritsch seinen Anteil, weshalb ihn Baum auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim lobte: „Nicht nur, dass er es im Spiel sehr gut gemacht hat, sondern er gibt uns auch Stabilität beim Verteidigen von Standardsituationen.“ Trotz längerer Überzahl (Muheim sah in der 66. Minute die Rote Karte) konnte der FCA erneut nicht gewinnen und hatte in vielen Situationen Pech – ähnlich wie Gregoritsch. Nach zuletzt vier sieglosen Spielen stellt sich die Frage, ob Ribeiro gegen das Topteam Hoffenheim der bessere Fit ist.
Für Baum ist das Thema Standards ein zentrales Element – defensiv wie offensiv: „Bei einer Mannschaft wie uns, die kompakt steht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es Ecken oder Einwürfe gibt – das wird gegen Hoffenheim genauso sein. Coufal schleudert den Ball von der Außenlinie fast an den zweiten Pfosten. Da ist das Größenthema natürlich relevant.“ Diese Fähigkeit bringt Ribeiro mit seinen 1,86 Metern nicht in gleichem Maße mit, dafür liegen seine Stärken in anderen Bereichen.
„Auf der anderen Seite hat Rodrigo brutale Stärken, was die Tiefenläufe angeht. Die Ergänzung ist einfach top. Je nachdem, was wir für das Spiel brauchen, haben wir zum Glück beide Typen.“ Der Portugiese besitzt klare Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Gregoritsch – ein Faktor, der gerade gegen ein Topteam wie Hoffenheim den Unterschied machen könnte, insbesondere im Umschaltspiel. Fest steht: Ribeiro lieferte bei seinen ersten Startelfeinsätzen für Augsburg ohne Anlaufzeit.
Beide Angreifer konnten Argumente für sich sammeln. Nun liegt es an Baum zu entscheiden, wer den Fuggerstädtern im nächsten Topspiel mehr helfen kann, um wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt einzufahren.