FC Augsburg
1. Bundesliga
Hürden erwünscht: FCA-Talente mit schwerem Stand

Freddie Schulz

Augsburg-Trainer Manuel Baum hat auf der Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt über die Rolle einiger Talente gesprochen, vor allem die aus dem eigenen Stall. Viele haben im FCA-Kader aktuell einen schweren Stand und kommen nach Startelfeinsätzen in der Vergangenheit aktuell nur höchstens von der Bank.
 
Während aufstrebende Spieler wie Noahkai Banks und Mert Kömür in der Hinrunde noch zum Stammpersonal zählten (Letzterer vor allem unter Trainer Sandro Wagner), müssen sie sich aktuell eher hinten anstellen. Das ist laut Wagner-Nachfolger Baum nicht nur ein Gefühl, sondern ein Fakt.
 
„Wenn man den Kader anschaut und wir nach unseren (Aufstellungs-)Referenzen entscheiden, ist es wichtig, dass auch diese Spieler nach diesen Kriterien behandelt werden“, machte Baum deutlich, dass es um Gleichbehandlung geht und darum, die jungen Spieler keinesfalls in Watte zu packen.

Rückschritt bei Banks und Kömür kein Rückschlag


„Ich durfte schon viele junge Spieler begleiten, die jetzt auch in der Premier League spielen. In deren Entwicklung ist eines wichtig: Sie darf nicht richtig stetig verlaufen. Man räumt ihnen manche Hindernisse aus dem Weg, die sie idealerweise selbst überwinden sollten“, so seine Haltung in dieser Frage.
 
Diese Hindernisse sind im aktuell zu 100 Prozent fitten Augsburg-Kader die gut performenden Kollegen. Gerade in der Innenverteidigung und im offensiven Mittelfeld – jeweils die positionelle Heimat von Banks und Kömür – ist der Konkurrenzkampf sehr groß.

Routiniers machen Banks das Leben schwer


Banks wurde 2007 in Honolulu auf Hawaii geboren, ging seinen Fußballerweg aber hierzulande. Der 19-Jährige durchlief viele Jugendmannschaften des FC Augsburg und arbeitete sich zu den Profis hoch. Diese Saison wollte er sich ins Schaufenster für die Weltmeisterschaft in seinem Heimatland spielen.

Seit seinem Startelfdebüt in dieser Saison am 6. Spieltag gegen Wolfsburg (inklusive Treffer beim 3:1-Sieg) stand der US-Amerikaner bis zu seiner Gelbsperre Ende Januar 2026 immer in der Angangsformation von Wagner oder Baum.

Nach seiner Gelbsperre wackelte das FCA-Talent bei den Niederlagen gegen Mainz und Stuttgart. Seit dem 2:5 gegen den VfB hat Banks seinen Startplatz an den im Winter nachverpflichteten Arthur Chaves (der gegen den HSV netzte) verloren. Seitdem muss er sich gedulden.

Hinzu kommt, dass die Innenverteidiger Chrislain Matsima und Jeffrey Gouweleeuw wieder genesen sind – das war in der Hinrunde und Anfang des Jahres noch anders.

Kömür muss sich mit wenigen Minuten abfinden


Bei Kömür gleicht diese Bundesliga-Saison eher einer Achterbahnfahrt. Der 20-Jährige war an den ersten Spieltagen unter Wagner gesetzt und half teilweise als Stürmer aus. Das Vertrauen konnte er mit zwei Toren und zwei Vorlagen in den ersten sechs Partien zurückzahlen. Seitdem viel Auf und Ab und nur noch ein weiterer Assist (beim 2:1 in München)!

Seit Mitte März kommt Kömür sogar nur auf wenige Mini-Einsätze. Während er gegen Stuttgart und Hamburg (Spiele, in denen ein Treffer benötigt wurde) 90 Minuten auf der Bank saß, reichte es gegen Dortmund, Hoffenheim und Leverkusen lediglich für zusammengerechnet 19 Einsatzminuten.

„Es ist entscheidend, das zu managen und zu coachen. Das sind die wichtigsten Sachen für die Spieler, wie sie damit umgehen. Das machen sowohl Noki als auch Mert, Rodrigo, Uche“, so Baum unbeeindruckt von der aktuellen Situation seiner Youngster.

Andere Situation bei Ribeiro und Ogundu


Baum spricht auch von Rodrigo Ribeiro und Uchenna Ogundu, beide wechselten erst im Winter in die Fuggerstadt. Dadurch gestalten sich ihre Situationen etwas anders. Während Ribeiro (von Sporting Lissabon ausgeliehen) prompt mit Michael Gregoritsch um die Mittelstürmerposition streitet, braucht Ogundu mehr Anlaufzeit.

Ribeiro traf direkt bei seinen ersten beiden Startelfeinsätzen für den FCA, ist aber eben nur eine Leihgabe. Das macht die Situation zu einer ganz anderen als bei beispielsweise Banks und Kömür.

Der Portugiese ist mit seinen 20 Jahren schon recht weit ausgebildet und verfügt mit seinem Tempo und Technik über besondere Qualitäten. Diese werden in der offensiven Spitze bei Augsburg benötigt, besonders als Gegenpart zum großen und wuchtigen Gregoritsch.

Für Ogundu fand Baum lobende Worte auf der Pressekonferenz. Der 19-Jährige Nigerianer kommt aus der Türkei und brauche etwas Umgewöhnungszeit, auch sprachlich. Dennoch ziehe er viele andere Spieler im Training mit, gerade mit seinem Tempo und seiner Wucht. Laut Baum ist der Neuzugang von Alanyaspor im Training mit 38km/h 'geblitzt' worden. Und beim 2:1-Sieg in Leverkusen holte er sogar den Elfmeter heraus, der zum Siegtreffer führte.

Nicht ein-, sondern entwickeln


Die 19- bzw. 20-Jährigen haben ein unterschiedliches Profil und aktuell viel Konkurrenz um sich herum in Augsburg. Dennoch sind sie für Baum eine Bereicherung. Der Trainer behandelt die Situation mit viel Ruhe und Empathie: „Es liegt in unserer Verantwortung, sie richtig zu entwickeln. Manchmal wickeln wir Spieler zu sehr ein. Das ist ein normaler Prozess.“

Baum will die jungen Spieler weder einwickeln noch verbrennen, sondern entwickeln. Für die Talente des FC Augsburg gilt also weiter, hart an sich zu arbeiten – mit Demut und Geduld. Die Entwicklung zu einem gestandenen Bundesliga-Spieler ist mehr ein Ausdauerlauf als ein Sprint – eben ein ganz normaler Prozess.