Werder-Trainer Daniel Thioune steht vor dem Kellerduell gegen den VfL Wolfsburg vor einer kniffligen Entscheidung in der Sturmspitze. Nach dem schwachen Auftritt von Keke Topp gegen Mainz 05 verdichten sich die Anzeichen, dass der 21-Jährige am Wochenende zunächst auf der Bank Platz nehmen muss. Eine Lösung ohne „echte Neun“ scheint immer wahrscheinlicher.
Die Personalsituation im Angriff bleibt angespannt: Jovan Milošević, die Leihgabe aus Stuttgart und eigentlich die klare Nummer eins im Sturmzentrum, plagt sich weiterhin mit hartnäckigen Rückenproblemen herum. Da der Serbe bereits seit über zwei Wochen ausfällt, ruhten die Hoffnungen zuletzt auf Topp. Doch nach dessen Auswechslung zur Halbzeit in der Vorwoche scheint das Vertrauen in einen erneuten Startelf-Einsatz des Youngsters angeknackst.
„Chance für diejenigen, die sich noch nicht zeigen durften“
Auf der Pressekonferenz am Donnerstag deutete Thioune an, dass Topp nach der Kritik der letzten Tage erst einmal aus der Schusslinie genommen werden könnte. Der Coach sprach davon, dass es nun „vielleicht eine Chance für diejenigen [ist], die sich noch nicht zeigen durften in der Offensive“.
Zwar ließ er die Tür für Topp einen Spalt weit offen, wählte dabei aber Worte, die eher nach einer Joker-Rolle klingen: „Auch die Spieler, die wir vielleicht infrage stellen, können noch mal eine Chance erhalten. Nachdem sie ein bisschen was abbekommen haben, könnten sie noch mal den Kopf aus dem Fenster halten – vielleicht nicht über komplette 90 Minuten, sondern in dem Augenblick, wo es auch wichtig ist.“
Grüll als „falsche Neun“?
Sollte Topp tatsächlich auf der Bank landen, müsste Thioune mangels Alternativen im Kader experimentieren. Da kein gelernter Mittelstürmer mit „Knipser-Gen“ zur Verfügung steht, könnte Marco Grüll in die Bresche springen. Der Österreicher, der nominell eher auf dem Flügel beheimatet ist, bringt die nötige Galligkeit mit, um die Wolfsburger Defensive auch ohne klassisches Gardemaß zu beschäftigen.
Thioune gab sich hinsichtlich der mangelnden Torausbeute seiner Angreifer gewohnt pragmatisch, aber auch fordernd: „Klar ist auch, dass wir in der vordersten Linie nicht den haben, der uns gerade 10+ Tore garantiert. Aber gerade wäre ich schon froh, wenn mir einer eins garantiert. Wenn wir zu Null spielen, reicht das ja.“
Gegen die Wölfe wird es also vor allem darauf ankommen, ob das Kollektiv die Lücke im Sturmzentrum schließen kann – mit oder ohne Keke Topp.