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Hin­tergrundwis­sen zur Note | Teil 2

StatistikTeam

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Die Diskussion rund um eine menschliche gegenüber einer statistischen Benotung oder Bewertung ist für uns hochspannend und Antriebsfeder, unser System stetig zu verbessern. Gestern haben wir uns anhand des Passspiels angesehen, wie aus Rohdaten qualifizierte Zusammenhänge entstehen. Heute wollen wir einen Blick auf die Kriterien werfen, nach denen wir einen Spieler beurteilen.

Grundsätzlich hat jede taktische Position (Torwart, Innenverteidigung, Außenbahn, Defensives Mittelfeld, Offensives Mittelfeld, Sturm) ihr speziell definiertes Anforderungsprofil.

Dieses ergibt sich ganz logisch aus dem Spiel heraus: Das Profil eines Außenbahnspielers ist zum Beispiel eher von Dribblings geprägt als das eines defensiven Mittelfeldspielers, da Außenbahnspieler im Schnitt weniger Anspielstationen haben und auch aufgrund der verminderten negativen Konsequenzen nach einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte (durch bessere Absicherung) von ihnen erwartet wird, in diese Duelle zu gehen.

Daher liegen die Punkte für ein gelungene Eins-gegen-Eins-Aktion im Vergleich zu einer misslungenen bei Letzterem näher beieinander als bei Erstgenanntem.

Das Anforderungsprofil eines Spielers wird dabei aus fünf unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlicher Gewichtung gebildet:

    • Torabschluss
    • Assists
    • Offensive Eins-gegen-Eins-Situationen
    • Passspiel
    • Defensivspiel

Je nach Position ergeben sich dabei verschieden gewichtete Anteile. Als Orientierung dient hier der Durchschnitt aus allen Spielern der Position der letzten drei Jahre im spezifischen Wettbewerb.

Wichtig ist nun, dass jeder Spieler auf verschiedenen Wegen zum Erfolg kommen kann, um sein Anforderungsprofil für eine gute Note zu erfüllen.


1. Ebene: Unterscheidung zwischen Aktion und Event

Die erste Ebene dabei ist die Unterscheidung zwischen spielentscheidenden Events und normalen Spielaktionen. Eine vorbereitete Großchance (bei 72% der betrachteten Spiele waren entweder keine, eine oder zwei kreierte Großchancen zu beobachten, was den seltenen Charakter auch zahlenmäßig nachweist) würde zum Beispiel als Event verbucht und ein Pass dementsprechend als normale Spielaktion.

Events werden dann natürlich auch mit einem höheren Faktor bemessen, da sie in einem Spiel den Unterschied ausmachen. Der Stürmer lebt natürlich eher von diesen Events (besonders Toren) als ein Innenverteidiger, für den, wenn wir beim Tor bleiben, dieses nur einen geringeren Teil der Leistung ausmachen sollte (wir beziehen uns beim Innenverteidiger vornehmlich auf Tore nach Standard-Situationen), da er vorrangig andere Aufgaben hat.

So ist der Tor-Effekt auf die Gesamtbewertung des Spielers Niklas Süle am 1. Spieltag des FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen geringer als der eines Tores durch Admir Mehmedi im selben Spiel.

Daraus ergibt sich auch die höhere Volatilität der Offensiv-Positionen im Vergleich zu defensiver geprägten Positionen. Trotzdem können auch Offensivspieler über normale Spielaktionen zu einer soliden Bewertung kommen. Beispielhaft steht dabei das 1. Saisonspiel des FC Augsburg beim Hamburger SV, in dem Stürmer Alfred Finnbogasson (der übrigens letzte Saison der pressingstärkste Angreifer der Bundesliga war) auf eine Note im 3er-Bereich kam.


2. Ebene: Einfluss eines Einzelspielers auf den Spielverlauf

Auf der nächsten Ebene werden die normalen Spielaktionen nun genauer untersucht. Wie aktiv war ein Spieler? Wie viele Aktionen hatte er? Und wie erfolgreich war er in diesen Aktionen? In der Summe erhalten wir einen Aktivitäts-Index eines Spielers, hinter dem sich der Einfluss eines Spieler auf das Spiel über die Kombination aus Qualität und Quantität verbirgt.

Unsere Maßgabe ist dabei auch jene, die Trainer ihren Spielern auf den Weg geben: Wer viel macht, der macht auch hin und wieder einen Fehler, aber entscheidend ist der Einsatz. Gewinnt ein Flügelspieler sechs von zehn seiner Dribblings im Angriffsdrittel, ist er für uns besser zu bewerten als ein Spieler auf der gleichen Position der zwei von zwei dieser Aktionen für sich entscheidet.

Erstgenannter Spieler mag zwar eine schlechtere Dribbling-Quote haben, er hat aber mehr positiven Einfluss auf das Spiel. Die Schwellenwerte für die jeweilige Grenze zwischen Qualität und Quantität werden dabei von der jeweils aus den historischen Daten berechneten Erfolgswahrscheinlichkeit, also Schwierigkeit der Aktion bestimmt.

Damit möchten wir unseren zweiten Teil der Serie beschließen. Morgen erläutern wir, wie wir aus den vorgestellten Ansätzen eine Note bilden und welche Aussage ihr innewohnt.