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Note unter der Lupe: Feh­lera­nalyse (I)

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Auf mehrfachen Wunsch und abseits unserer statistischen Datenauswertung wollen wir nun die Chance nutzen, unsere eigene Fehleranalyse einmal etwas genauer zu beleuchten. Nach drei Rückrundenspieltagen haben wir jetzt auch genug "frische" Beispiele zur Hand, die alles etwas anschaulicher gestalten können, so dass sich eine kleine Rückschau sowieso anbietet.

Fehler gehören zum Spiel und sind besonders im Rahmen der Datenerfassung unseres Partners Opta für einen Großteil der Managercommunity von großem Interesse.

Zunächst sei einmal erklärt, dass bei Opta zwei Fehlerarten existieren:

  • Fehler vor Gegentor
  • Fehler vor Torschuss

Diese Fehler ermittelt Opta nach seinem eigenen Regelkatalog und seine Mitarbeiter sind auch für Hinweise unserer Redaktion oft sehr dankbar. Aber dazu später mehr.

Wichtig dabei ist, dass Opta nur einen Fehler vergeben kann, wenn dies mit einer Ballaktion gekoppelt ist.

So wird im Fall des 1:0 von Hoffenheim in Freiburg am 19. Spieltag nach dem Rückpass von Pascal Stenzel eben nur diesem ein Fehler angelastet. Die ebenfalls involvierten Dominique Heintz und Alexander Schwolow können nicht "belangt" werden.


LigaInsider hat seine eigenen Regeln

Wie in einem unserer vorigen Artikel schon beschrieben, haben wir bei der Fehleranalyse aber auch unsere eigenen Ansätze.

Wenn wir eine Bewertung für einen Spieler herausgeben, müssen wir diese auch komplett vertreten können. Und bei subjektiven Daten wie den Fehlern, die aufgrund ihrer hohen Wertigkeit für Managerspiele sehr wichtig sind, wollen wir uns nur auf uns selbst verlassen, um maximal konsistent zu sein.

So haben wir über die Jahre unseren eigenen Regelkatalog formuliert, damit auch nicht jeder Fehlpass als Fehler interpretiert wird.

Beispielsweise kommt es dabei stark darauf an, ob man selbstverschuldet in eine Situation geraten ist und welche Chance man dann noch hatte, aus der Situation herauszukommen.

Exemplarisch möchten wir an dieser Stelle zwei Szenen gegenüberstellen:

Im Spiel Schalke gegen Wolfsburg (18. Spieltag) spielt Matija Nastasic in Minute 65:03 einen Rückpass auf seinen Nebenmann Salif Sané, der sofort unter Druck von Wout Weghorst gerät. Letzterer nimmt Sané den Ball ab und vergibt. Opta gab Sané in dieser Szene einen Fehler. Wir sahen das allerdings anders und vergaben den Fehler an Nastasic, der wissen musste, in welche Lage er Sané bringt.

Im Spiel Leverkusen gegen Bayern München am vergangenen Spieltag bekommt Mats Hummels in Minute 0:49 einen Rückpass von seinem Kollegen Rafinha zugespielt. Hummels spielt dann den nächsten Ball unbedrängt auf Julian Brandt, der Kevin Volland bedienen kann (Hummels klärt in der Folge mit der Hand). Opta vergab in dieser Szene keinen Fehler. Auch dies sahen wir anders und gaben Hummels einen solchen.

Beide Szenen sind ähnlich, da sowohl Sané als auch Hummels unverschuldet in die Situationen hereingerieten. Hummels hatte aber noch genug Zeit, um den Ball vernünftig zu klären, Sané hatte sie unserer Meinung nach nicht.

Opta sah es genau andersherum, was in unseren Augen nicht konsistent ist. Dabei sagen wir nicht, dass wir "Recht" haben, oder dass es ein "richtig" und "falsch" gibt, sondern dass es nach unseren eigenen Maßstäben so zu handhaben ist.

Neben der Spielsituation ist es bei Fehlern ebenfalls für uns wichtig, dass der Spieler bei einer misslungenen Aktion eine "gefährliche" Feldposition bekleidete oder er nicht genügend durch Mitspieler abgesichert war.

So bekam Julian Brandt im Spiel des 18. Spieltags Leverkusen gegen Gladbach einen Fehler angekreidet, als er in Minute 80:29 nahe der Mittellinie ohne Absicherung einen Fehlpass spielte und so einen gefährlichen Konter einleitete, in dessen Folge Jonas Hofmann knapp am Tor vorbeischoss (Opta vergab diesen Fehler übrigens ebenfalls).

Im Spiel Augsburg gegen Mainz vom letzten Spieltag verliert Alexandru Maxim vor dem dritten Tor durch Alfred Finnbogason den Ball (Minute 52:59). Im Gegensatz zur vorigen Szene ist Maxim aber ausreichend gesichert (zudem gerät er unverschuldet in die Situation), so dass ein Fehler hier nicht gerechtfertigt gewesen wäre (Opta sah es hier genauso).

Da wir einen eigenen Check vornehmen, sehen wir im Sinne der Fairness auch keinen Grund, die Fehlervergabe nur auf Ballaktionen zu beschränken. Auch dies stellt eine Erweiterung unseres Systems dar.

Um auf unser erstes Beispiel aus dem Spiel Freiburg gegen Hoffenheim (19. Spieltag) zurückzukommen, so kommen in unserer Analyse des 1:0 durch Joelinton drei Freiburger für einen Fehler infrage: Stenzel, Heintz und Schwolow.

Stenzel spielt einen wilden Rückpass (Minute 18:09), der total misslingt. Damit war ein Fehler gerechtfertigt (Opta sah es ebenso). Heintz läuft zurück, Schwolow macht ein paar Schritte vor. Wer irritiert hier nun wen? Wahrscheinlich beide sich gegenseitig. Schwolow läuft dann auch schnell wieder zurück, weil er merkt, dass er niemals vor Joelinton an den Ball kommen würde. Heintz schätzt die gesamte Lage allerdings völlig falsch ein: Er bemerkt weder das Zurücklaufen von Schwolow, da er zur Seite guckt, und weiß offenbar auch nicht, dass Joelinton viel näher am Ball ist als sein eigener Torhüter. Und selbst wenn er von Schwolow irritiert ist, so ist das keine Entschuldigung für seine Nachlässigkeit.

In der Endabrechnung bekommen also Stenzel und Heintz von uns einen Fehler notiert.

Bei diesen drei Beispielen wollen wir es zwecks Übersichtlichkeit an dieser Stelle belassen. Es sollte nur einmal demonstriert werden, dass wir im Sinne des Fußballs entscheiden (unsere "Jury" umfasst nur ehemalige aktive Spieler, die die Spieleraktionen aufgrund ihrer Erfahrung sehr gut einschätzen können).

Ergänzend wollen wir noch anmerken, dass bei uns ein "Fehler vor Torschuss" nicht unbedingt auch an einen Torschuss geknüpft sein muss. Unterläuft einem Spieler offenkundig ein Fehler, der Ball wird dann aber vor dem Torschuss noch im letzten Moment und in höchster Not geklärt oder die gegnerische Mannschaft vertändelt die Chance leichtfertig, was so nicht zu erwarten wäre, so werten wir diese Szene ebenso als Fehler.

Jedes Wochenende gucken wir alle neun Spiele und prüfen sie auf mögliche Fehler.


Mitwirkung unserer Insider

Nachdem wir die Sichtung abgeschlossen haben, wenden wir uns bei Differenzen (sofern wir annehmen, dass eine Änderung in Betracht gezogen werden könnte) an Opta und weisen sie auf unsere Beobachtungen hin, so dass sie ihre Daten direkt ändern können.

Und genau da kommt ihr alle schon jetzt ins Spiel!

Wir haben euch unter jedem Spiel innerhalb des Highlight-Tickers die Möglichkeit geschaffen, uns auf mögliche Fehler hinzuweisen. Und dies kann wegen der Zusammenarbeit mit Opta schon jetzt sinnvoll für euch sein, wenn diese Hinweise zu Änderungen führen, die auch für Kickbase oder Comunio relevant sind.
Unsere Hinweise werden dabei nicht immer berücksichtigt – kommen wir bei unserem Austausch nicht zu einer Einigung, ändern wir die Daten nur auf unserer Seite – aber einen Versuch ist es ja vielleicht wert.

Außerdem helft ihr uns, auch wirklich jeden Fehler zu überprüfen und zu entdecken.

Wie macht ihr das?

Am Beispiel des Spiels Düsseldorf gegen Leipzig (19. Spieltag) zeigen wir euch nochmals alle Schritte:

Zuerst geht hier auf den Link zum Spiel Fortuna-RB.

Bei diesem Spiel vergab Opta keinen "Fehler vor Gegentor" an Michael Rensing (allerdings einen "Fehler vor Torschuss"; warum wir das anders sehen, kommt im nächsten Teil) vor dem Tor zum 1:0 durch Yussuf Poulsen.

Nun klickt ihr auf das Ball-Symbol (2. Minute; dort ist auch schon eine kleine 1 vermerkt für einen Kommentar) und könnt dort eure Frage oder euren Hinweis platzieren. Wir bekommen dann sofort eine Benachrichtigung, würden euch im Laufe des Wochenendes antworten und Rensing am Ende gemeinsam das rote F verleihen.

Auch wir lernen immer dazu und sind daher sehr interessiert an einem Austausch mit euch Insidern. So können wir unseren Fehlerkatalog mit jeder Szene neu auf den Prüfstand stellen, gegebenenfalls sinnvoll ergänzen und wollen gerne eure erste Anlaufstelle für alle Bewertungsfragen rund um euer Managerspiel sein.

Im nächsten Teil (in ein oder zwei Wochen) führen wir unsere Fehleranalyse fort. Vielleicht wurde unser Angebot in der Zwischenzeit zum nächsten Spieltag auch genutzt, so dass man (an noch aktuelleren Beispielen) über den Austausch und die Ergebnisse berichten kann.

Außerdem klären wir die Frage, warum Hannovers Walace im Spiel gegen Leipzig (20. Spieltag) keinen Fehler zugeschrieben bekam, wohl aber eine -2 bei den Scoring Shares stehen hat und wie das mit einem weiteren Wert von uns mit Namen Tor mitverschuldet zusammenhängt.