Matthias Ginter
SC Freiburg
Das Langzeitpro­jekt

Kristian Dordevic

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Angesichts eines Saisonverlaufs mit nur neun Startelfeinsätzen (40 mögliche Pflichtspiele) musste sich Weltmeister Matthias Ginter im Laufe seines ersten Vertragsjahrs beim BVB einiges an kritischen Stimmen anhören. Zu überstürzt habe er gehandelt, zu früh gewechselt, womit er sich keinen Gefallen getan habe – in vertrauter Umgebung, sprich beim SC Freiburg, hätte er besser heranreifen können, so die Quintessenz der Kritik. Doch er würde "jederzeit wieder so entscheiden", so der 21-Jährige gegenüber "kicker". Der sonst so zurückhaltende Defensivallrounder betont entschlossen, dass er nichts bereue.

Genauso wenig bedauert die Führungsetage von Borussia Dortmund die kostspielige Verpflichtung (zehn Millionen Euro Ablöse) des Freiburger Eigengewächses. Ginter ist in den Augen der Verantwortlichen eben eine Investition in die Zukunft, "ein Langzeitprojekt", wie Sportdirektor Michael Zorc im Fachblatt beteuert. Das belegen auch die fünf Jahre Laufzeit, die im Arbeitspapier verankert wurden.

Dass Ginter einer nicht ganz abwegigen personellen Umwälzung bei den Westfalen im Sommer zum Opfer fallen könnte, schließen daher alle Beteiligten glaubwürdig aus. Diese Einschätzung vertritt auch der "kicker" in seiner aktuellen Ausgabe.


Schwieriger Start

In der jüngeren Vergangenheit ist es sportlich wieder ziemlich ruhig um den Abwehrspieler geworden. Der letzte Einsatz im schwarz-gelben Dress datiert vom 24. Februar (Champions-League-Hinspiel gegen Juventus Turin). In einer BVB-Startelf stand er sogar seit Ende Januar nicht mehr: Am 18. Spieltag lief der gelernte Innenverteidiger neben Nuri Sahin im defensiven Mittelfeld auf, weil der Verein mit Sven Bender, Sebastian Kehl und Ilkay Gündogan gleich drei namhafte Ausfälle in der Zentrale zu beklagen hatte. Doch auch im neunten Auftritt von Beginn an war Ginter mit Dortmund kein Sieg vergönnt.

Zuletzt lief er nach überwundener Zerrung zunächst für die zweite Mannschaft auf. "Das war insgesamt keine so einfache Situation für ihn", bilanziert Zorc den bisherigen Werdegang. Bereits im November hatte der Manager "in der Liga das ein oder andere unglückliche Spiel" beim Neuling ausgemacht.

Aber beide Seiten waren sich stets der schwierigen Startbedingungen bewusst, schließlich war nicht zu erwarten, dass ein Nachwuchstalent aus dem Breisgau gestandenen Akteuren wie Mats Hummels, Neven Subotic oder Sokratis so ohne Weiteres den Platz streitig machen kann. "Mir war von vornherein klar, dass ich nicht jedes Spiel mache", sagt ein rationaler Ginter, der nichtsdestotrotz davon überzeugt ist, sich "defensivtaktisch und auch körperlich weiterentwickelt" zu haben.


Beim DFB Vertrauen tanken

Was er im Pott gelernt hat, kann der Jungspund mit dem U21-Jahrgang des DFB bei der im Sommer anstehenden Europameisterschaft unter Beweis stellen. Und in diesem Zuge auch gleich seine Führungsrolle aus Freiburger Zeiten neu aufleben lassen: Ginter verpasste 2013/14 als eine der tragenden Mannschaftssäulen lediglich 21 Bundesliga-Minuten. Zumindest sieht U21-Trainer Horst Hrubesch in ihm einen von "fünf, sechs Spielern, die bei der EM-Endrunde eine Führungsrolle und Verantwortung übernehmen sollen."

Mit einem Erfolg im Rücken – im Gegensatz zur WM in Brasilien dann womöglich als Leistungsträger –, ließe sich der zweite Anlauf bei der Borussia um einiges leichter angehen.