Vor dem wegweisenden Duell gegen Borussia Dortmund steht bei RB Leipzig vor allem eine Personalie im Fokus: Wer besetzt das Sturmzentrum? Mit dem 24-jährigen Rômulo und dem erst 20-jährigen Conrad Harder verfügt Trainer Ole Werner über zwei hochkarätige Optionen, die zuletzt jedoch ein wenig das Schussglück vermissen ließen.
Während Rômulo nach 16 Startelf-Einsätzen seit dem 18. Spieltag auf einen Treffer wartet, konnte Harder – der zuletzt am 20. Spieltag erfolgreich war – gegen Wolfsburg zwar Akzente setzen, belohnte sich aber trotz guter Gelegenheiten nicht. Es ist weniger eine handfeste Krise als vielmehr die Suche nach der letzten Konsequenz im Abschluss, die die aktuelle Debatte bestimmt.
Zwischen Pech und Präzision: Werner stärkt seinen Stürmern den Rücken
Auf der Pressekonferenz vor dem Kracher gegen den BVB und dessen Top-Torjäger Serhou Guirassy bemühte sich Werner sichtlich, den Druck von seinen Schützlingen zu nehmen. Der Coach verwies darauf, dass Guirassy seit vielen Jahren in der Bundesliga etabliert sei, während seine eigenen Angreifer sich im ersten Jahr im deutschen Oberhaus befinden und noch deutlich jünger seien.
Laut Werner gehören Phasen, in denen der Ball wie bei Rômulo in Köln vom Pfosten wieder rausspringt oder spektakuläre Abschlüsse wie Harders Fallrückzieher genau beim Keeper landen, im Laufe einer Saison einfach dazu. Er betonte ausdrücklich, dass beide sein vollstes Vertrauen genießen und das Potenzial haben, auf ein Niveau wie das von Guirassy zu kommen. Es gehe schlicht um Entwicklung und Erfahrung auf höchstem Niveau, wobei er überzeugt ist, dass der Verein an beiden noch viel Freude haben wird.
Individuelle Hausaufgaben: Timing und Rhythmus als Schlüssel
Werner gab zudem Einblicke, woran er mit seinen Neunern aktuell arbeitet, um die Effizienz zu steigern. Bei Harder sieht er noch Steigerungspotenzial in den Laufwegen im Strafraum und im Timing, lobte aber gleichzeitig die „Riesenschritte“, die der 20-Jährige seit dem Winter beim Festmachen und Ablegen von Bällen gemacht hat.
Bei Rômulo hingegen liege der Schlüssel darin, im Rhythmus und in den Aktionen drinzubleiben. Da der Brasilianer in jedem Spiel zu Chancen komme, müsse er nun einfach dranzubleiben und weiterhin fest an seine Stärken glauben – insbesondere an seine Qualitäten bei Wegen zum ersten Pfosten. Der Trainer rät beiden, sich nicht beirren zu lassen und die nötige Klarheit im Spiel beizubehalten.
Taktischer Kniff: Die „falsche Neun“ als ernsthafte Option?
Für zusätzliche Spannung sorgt die Rückkehr von Nicolas Seiwald ins Mittelfeldzentrum. Nachdem der Österreicher zuletzt in der Innenverteidigung für Castello Lukeba eingesprungen war, wird er gegen Dortmund wieder auf der Sechs erwartet.
Da Winter-Neuzugang Brajan Gruda und Xaver Schlager ebenfalls Startelfkandidaten sind, könnte Werner zu einer radikalen taktischen Variante greifen, um alle Mittelfeld-Stars unterzubringen. Das Szenario einer „falschen Neun“, bei der der bisher gesetzte Achter Christoph Baumgartner ganz nach vorne rückt, wollte der Trainer nicht ausschließen.
Auf die Nachfrage, ob Leipzig auch ohne etatmäßigen Mittelstürmer auflaufen könnte, antwortete Werner knapp, dass tatsächlich alles möglich sei. Sollte er sich für diese spielstarke Variante entscheiden, müssten Rômulo und Harder zunächst auf der Bank Platz nehmen. Bleibt Werner hingegen bei einem klassischen Stoßstürmer, müsste wohl einer der Mittelfeld-Akteure weichen – eine Entscheidung, die bis kurz vor Anpfiff für Diskussionsstoff sorgen dürfte.