Wendell
1. Bundesliga
"Einfach zu großes Potential"

bengt123

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Seit dem Abschied von Michal Kadlec sucht die Werkself nach einer dauerhaften Lösung für die linke Abwehrseite. Nun startet man einen neuen Versuch mit einem vor der Saison recht unbekannten Spieler: Wendell Nascimento Borges - kurz Wendell - wurde von Bayer Leverkusen als hoffnungsvoller junger Linksverteidiger aus Brasilien geholt. Dort spielte er zuletzt für Gremio Porto Alegre, war allerdings überwiegend Ergänzungsspieler. Auf Nationalmannschaftsebene kam er bislang dreimal für die U20 und einmal für die U23 Brasiliens zum Einsatz.


Eine Problemposition bei Bayer

Auf der grundsätzlich schwierig zu besetzenden Linksverteidigerposition drückt bei Bayer seit Jahren der Fußballschuh. Hier wurden in der Vergangenheit immer wieder neue Lösungsansätze ausprobiert.

Im Winter 2012 wurde etwa Sebastian Boenisch aus der Arbeitslosigkeit als Backup verpflichtet. Aufgrund mangelnder Alternativen absolvierte der 28-Jährige mittlerweile 44 Bundesligaspiele von Beginn an für die Werkself. Der Pole wusste dabei nicht immer zu überzeugen.

In der Hinrunde wechselten sich Boenisch (11-mal von Beginn an in Liga, Königsklasse und Pokal) und Wendell (13-mal) regelmäßig in der Startelf ab.


Die Vorgänger

Der Vorgänger von Boenisch und Wendell hieß Michal Kadlec, den man in der letzten Saison für immerhin 4,5 Millionen Euro zu Fenerbahce ziehen ließ. Zwischen 2008 und 2013 absolvierte der Tscheche 158 Pflichtspiele für die Werkself.

Zuvor durften sich Bastian Oczipka (mittlerweile bei Eintracht Frankfurt) und Hanno Balitsch (FSV Frankfurt) versuchen.

Schon einmal probierte man es seitdem mit einem hoffnungsvollen Talent: 2013 verpflichtete Leverkusen den damals 18 Jahre alten Griechen Konstantinos Stafylidis. Ein einziger Einsatz in der Liga steht seitdem zu Buche, vor sechs Monaten verlieh man den noch bis 2018 gebundenen Verteidiger an den FC Fulham. Auch Hans Sarpei lief bis 2010 noch das ein oder andere mal als Linksverteidiger für die Werkself auf.


Der langfristige Plan

Mit Wendell startet Bayer den nächsten Versuch: "Wir sind uns sicher, dass er die große Tradition der brasilianischen Topspieler bei Bayer Leverkusen fortsetzen kann", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler nach Wendells Verpflichtung laut "Sportschau.de".

Zu dem Wechsel nach Leverkusen hatte ihm sein Kapitän bei Porto Alegre, ein gewisser Zé Roberto, geraten.

Auch wenn der Brasilianer bis dahin medial ein unbeschriebens Blatt war - Bayer war bereit 6,5 Millionen für den damals fast 21-Jährigen auszugeben. Dieser Betrag war laut Völler nur deshalb nicht höher, weil man sich eine Ausstiegsklausel zu Nutze gemacht habe.

"Die Verpflichtung von Wendell ist für Bayer 04 Leverkusen ein wichtiger Transfer im Rahmen unserer langfristigen Strategie. Wir haben immer gesagt, dass wir unsere Mannschaft gezielt verstärken wollen. Wendell passt genau in unser Planungs-Schema", begründete der ehemalige Nationaltrainer damals den Einkauf und band den Spieler für fünf Jahre an den Verein.


Stammplatz in Aussicht?

Für sein erstes Jahr in Europa scheint sich Wendell gut zu akklimatisieren. Elfmal durfte er in der Liga von Beginn an ran, dazu einmal im DFB-Pokal und dreimal in der Champions League. In den letzten sechs Partien startete er in der Bundesliga fünfmal - möglicherweise eine Tendenz.

Ein "kicker"-Notenschnitt von 3,55 ist ein ordentliches Zeugnis für einen Liga-Neuling. Die Historie kennt jedenfalls eine Vielzahl an Brasilianern, die für mehr Geld gewechselt sind und einen wesentlich unglücklicheren Eindruck hinterließen.


"Er weiß, dass es für ihn eine Riesen-Schritt aus Brasilien nach Leverkusen ist. Er brennt und wird mittel- und langfristig seine Einsätze bekommen – dafür hat er einfach zu großes Potenzial", so Kadermanager Jonas Boldt laut "EXPRESS".

Dieses Potential konnte Wendell mit seiner ersten Torbeteiligung am letzten Spieltag nachweisen: Nach einem starken Flügellauf flankte der Brasilianer mustergültig auf Stefan Kießling, der den Siegtreffer markierte. Diese Vorlage gepaart mit einem starken Abwehrleistung veranlassten den "kicker, die Note 2,0 zu vergeben und ihn zum Spieler des Spiels zu küren.