Während hinter den Kulissen die Kaderplanungen für die neue Spielzeit auf Hochtouren laufen, halten wir euch auf LigaInsider wie gewohnt mit unseren prognostizierten Top-Elf-Aufstellungen der Bundesligisten auf dem Laufenden.
Das Prinzip unserer Prognosen bleibt dabei unverändert: Wir zeigen euch die aus unserer Sicht beste Formation eines Klubs – grundsätzlich unabhängig von körperlichen Blessuren. Nur wenn ein verletzter Spieler voraussichtlich mehr als die komplette Hinrunde verpasst, könnte es gut sein, dass wir ihn für die Top-Elf nicht berücksichtigen.
Da sich auf dem Transfermarkt kontinuierlich etwas tut, versteht sich von selbst, dass es sich hierbei um dynamische Prognosen handelt. Sobald es wichtige Kaderänderungen gibt, werden die Aufstellungen und die dazugehörigen Artikel fortlaufend aktualisiert.
In diesem Check richten wir den Fokus im Detail auf die voraussichtliche Formation des SV Werder Bremen.
Torwart: Ein logischer Transfer
Top-Elf: Karl Hein (24)
Nachdem Mio Backhaus für eine stattliche Summe von 12 Millionen Euro (plus 3 Millionen an möglichen Boni) zum SC Freiburg gewechselt ist, hinterlässt er an der Weser eine Lücke, die nun Hein schließen soll. Der 24-Jährige fungierte in der abgelaufenen Spielzeit noch als die Nummer zwei, wusste aber im Saisonverlauf – insbesondere bei seiner zweiwöchigen Vertretung am 5. und 6. Spieltag – auf ganzer Linie zu überzeugen. Das dürfte mit ein Hauptgrund gewesen sein, warum Werder nicht lange fackelte, die vertraglich verankerte Ausstiegsklausel in Höhe von rund 3 Millionen Euro zog und Hein fest vom Arsenal FC verpflichtete. Mit dem 1,93 Meter großen Hünen im Kasten dürfte Werder auf der Torwartposition für die anstehende Saison gut aufgestellt sein.
Abwehr: Offene Baustellen, die auch den Kapitän betreffen
Rechter Außenverteidiger: Neuzugang | Alternative: Felix Agu (26)
Nach dem Abgang von Leihspieler Yukinari Sugawara (25, Southampton FC) klafft auf der rechten Abwehrseite aktuell noch ein Loch. Die sportliche Führung prüft derzeit intensiv, ob eine feste Verpflichtung des Japaners realisierbar ist. Gelingt dies, wäre Sugawara ein Stammplatz-Anwärter für hinten rechts. Als namhafte Alternative steht Agu im Kader, der defensiv flexibel einsetzbar ist und sowohl links als auch rechts agieren kann. Bliebe Agu über einen längeren Zeitraum vollkommen beschwerdefrei, wäre er ein absolut heißer Kandidat für die erste Elf. Aufgrund seiner bekannten Verletzungshistorie planen wir zu diesem frühen Zeitpunkt jedoch eher mit ihm als Option. Sollte die Personalie Sugawara scheitern, wird Werder hier definitiv einen anderen externen Neuzugang mit Stammelf-Potenzial an Land ziehen, der sich dann mit Agu einen offenen Konkurrenzkampf liefert.
Rechter Innenverteidiger: Amos Pieper (28)
Pieper gehörte in der vergangenen Spielzeit zu den wenigen Konstanten im Bremer Defensivverbund. Selbst eine wochenlange Zwangspause aufgrund einer Risswunde am Knie warf den Innenverteidiger nicht dauerhaft aus der Bahn. Stand er voll im Saft, war Pieper in der Hintermannschaft der Grün-Weißen absolut gesetzt und strahlte Stabilität aus. Ausgestattet mit einem langfristigen Arbeitspapier bis 2029 wird der 28-Jährige auch in der kommenden Saison eine tragende Säule in den sportlichen Planungen einnehmen.
Linker Innenverteidiger: Marco Friedl (28) | Alternativen: Neuzugang, Karim Coulibaly (19)
Um den Werder-Kapitän ranken sich in diesem Transfersommer Spekulationen um einen Abgang, auch wenn sich Friedl (Vertrag bis 2028) aktuell voll auf die anstehende Weltmeisterschaft mit Österreich konzentriert. Da die abgelaufene Saison für den gesamten Verein sportlich zäh verlief und der Klassenerhalt erst spät gesichert wurde, könnte sich bei einem wirtschaftlich lukrativen Angebot eine Trennung für beide Seiten anbahnen. Bleibt Friedl an Bord, ist ihm der Platz als linker Innenverteidiger jedoch sicher. Direkt dahinter lauert Coulibaly: Das Talent profitierte im Vorjahr von der Verletzungsmisere und spülte sich im Zuge dessen auf die Zettel internationaler Großklubs. Sollte ein Verkauf wider Erwarten ausbleiben, muss der Youngster allein aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin eine gewichtige Rolle bei Werder spielen, um seinen Marktwert zu konservieren oder weiter auszubauen. Bleiben Friedl und Coulibaly, wäre auch die Rückkehr zu einer Dreierkette ein denkbares Szenario.
Linker Außenverteidiger: Olivier Deman (26) | Alternative: Felix Agu (26)
Deman hat sich nach seiner Rückkehr (war zuvor wochenlang verletzt) in der zweiten Saisonhälfte festgebissen und zeigte sich dabei als verlässlicher Linksverteidiger. Damit konnte der Belgier, der 2023 für rund 4 Millionen Euro von Cercle Brügge an die Weser wechselte, erstmals über einen längeren Zeitraum nachhaltig im Werder-Trikot überzeugen. Aufgrund dieser Leistungen hat er auf der linken Abwehrseite aktuell die Nase vorn. Doch genau wie auf der Gegenseite gilt: Ein fitter und formstarker Felix Agu kann auch Deman brandgefährlich werden und ihn verdrängen. Zum aktuellen Zeitpunkt planen wir jedoch defensiv mit dem Belgier. Es ist darüber hinaus zu erwähnen, dass durch den Abgang von Isaac Schmidt (26) noch ein weiterer Außenverteidiger zum Team stoßen wird. Diesen erwarten wir Stand heute aber eher in einer Rolle als Herausforderer.
Mittelfeld: Ein unruhiger Transfersommer in der Schaltzentrale
Defensives Mittelfeld: Senne Lynen (27)
Der Sechser hat zwar zweifellos nicht seine allerbeste Saison hinter sich, bleibt auf der defensiven Schlüsselposition im Bremer Mittelfeld aber dennoch vorerst unantastbar. Der Belgier besticht primär durch seine defensiven Qualitäten: Mit seiner Übersicht und vielen wichtigen Ballgewinnen ist er in der Lage, den Raum vor der Abwehrkette abzusichern – eine Qualität, die gerade im neuen 4-3-3-System mit einer echten, alleinigen Sechs absolut wichtig ist. Hinzu kommt seine enorme Bedeutung abseits des Rasens: Lynen hat sich an der Weser längst zu einem echten Führungsspieler entwickelt, der auch in der Kabine eine gewichtige Rolle einnimmt. Sofern auf dem Transfermarkt kein Klub mit einem hohen Angebot Ernst macht, bleibt er daher gesetzt. Klar ist aber auch: Er benötigt im Kader dringend einen neuen, starken Herausforderer, der ihm im Nacken sitzt, um seine eigenen Leistungsgrenzen wieder konstanter abzurufen.
Zentrales Mittelfeld: Jens Stage (29) | Alternative: Neuzugang
„Jens Stage war sicherlich die Lebensversicherung in dieser Saison, aufgrund der vielen Tore, die er geschossen hat, aufgrund der Art und Weise, wie er diese Mannschaft geführt hat“, lobte Cheftrainer Daniel Thioune seinen Mittelfeldmotor vor wenigen Wochen überschwänglich und warb damit vehement für einen Verbleib. Ein Verbleib des vielleicht wichtigsten Bremers ist jedoch wackliger denn je: Die TSG Hoffenheim hat bereits mehrere Angebote an der Weser eingereicht, und Stage selbst ist sich mit den Kraichgauern einig und hat seinen Wechselwunsch offiziell hinterlegt. Da die Werder-Verantwortlichen bisher jedoch stur bleiben und ihre Lebensversicherung auf keinen Fall unter Wert verkaufen wollen, ist der Transferpoker völlig offen. Sollte Stage den Verein am Ende verlassen, wird Werder gezwungen sein, mit einem gestandenen, externen Stammspieler nachzulegen.
Zentrales Mittelfeld: Romano Schmid (26) | Alternative: Neuzugang
In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt die Personalie Schmid. Da das Arbeitspapier des Österreichers dem Vernehmen nach im Sommer 2027 ausläuft, steht Werder vor dem klassischen Szenario: Verlängert Schmid nicht vorzeitig, muss der Verein ihn in dieser Transferperiode verkaufen, um einen späteren, ablösefreien Abgang zu verhindern. Schmid wird zudem versuchen, sich bei der Weltmeisterschaft mit Österreich noch einmal auf der ganz großen Bühne ins Rampenlicht zu spielen. Sollte er gehen, wird Werder auch hier extern investieren müssen. Inwieweit Cameron Puertas (27) dann wieder ein Thema wird, bleibt abzuwarten. Der Mittelfeldmann war im Vorjahr ausgeliehen, überzeugte nach anfänglichen Anpassungsproblemen hinten heraus aber und kehrt jetzt vorerst nach Saudi-Arabien zurück. Da Puertas im Gesamtpaket extrem teuer ist, steht ein fester Kauf jedoch auf wackeligen Beinen. Falls Schmid geht, den wir aktuell im zentralen Mittelfeld einplanen, könnte Puertas (der letzte Saison oft das Zentrum besetzte, während Schmid auf den Flügel auswich) diese Rolle übernehmen.
Angriff: Hoffen auf den Durchbruch und die große Stürmersuche
Rechtsaußen: Mitchell Weiser (32) | Alternative: Neuzugang, Justin Njinmah (25)
Vor seiner schweren Verletzung war Weiser der unangefochtene Dreh- und Angelpunkt im Bremer Offensivspiel. Nach einem bitteren Kreuzbandriss fiel der Routinier jedoch die komplette letzte Saison aus. Da sein Vertrag am 30. Juni 2026 ausläuft, versucht Werder im Hintergrund derzeit alles, um den 32-Jährigen von einem neuen Kontrakt zu überzeugen. Unterschreibt Weiser, führt im fitten Zustand kein Weg an ihm vorbei – vorausgesetzt, er findet in der Vorbereitung annähernd zu alter Stärke. Früher oft als Schienenspieler unter Ole Werner unterwegs, planen wir den spielstarken Routinier im 4-3-3-System auf dem rechten Flügel ein. Sollte Weiser nicht verlängern, wird Werder hier extern nachlegen müssen, da weder Njinmah noch Marco Grüll (27) im Vorjahr vollends überzeugen konnten. Njinmah bringt zwar eine enorme Schnelligkeit mit (weshalb er bei uns auch noch als Alternative gelistet ist), präsentierte sich vor dem gegnerischen Gehäuse aber extrem abschlussschwach. Ein Abgang Njinmahs im Sommer ist somit nicht auszuschließen. Dem spanischen Neuzugang Chuki (22) will der Verein derweil die nötige Zeit geben, um sich in Deutschland zu akklimatisieren. Der klassische Zehner, der auch als hängende Spitze oder auf rechts auflaufen kann, ist vorerst als Option aus der zweiten Reihe eingeplant.
Linksaußen: Samuel Mbangula (22)
Mit einer Ablöse von rund 10 Millionen Euro (vorher bei Juventus unter Vertrag) ging Mbangula als zweitteuerster Transfer der Vereinsgeschichte mit einer riesigen Erwartungshaltung in seine Premierensaison. Erfüllen konnte er diese im ersten Jahr allerdings nicht. Der Belgier fand kaum Bindung zum Spiel, wurde phasenweise auf der ungeliebten linken Schienenposition verheizt und fand sich in der Rückrunde meist nur noch auf der Bank wieder. Das Vertrauen der sportlichen Führung in das Potenzial des 22-Jährigen ist dennoch ungebrochen. Im neuen 4-3-3-System darf Mbangula nun endlich auf seiner Lieblingsposition, dem linken Flügel, ran. Wir glauben fest daran, dass ihm im zweiten Jahr der Durchbruch an der Weser gelingt.
Stürmer: Neuzugang
Die Planstelle im Sturmzentrum war der Hauptgrund, warum Werder bis zum Schluss tief im Abstiegssumpf steckte. Die Neuner-Position erwies sich als absolute Schwachstelle: Königstransfer Victor Boniface (25) kam bereits mit Knieproblemen an die Weser, fiel fast die gesamte Spielzeit aus und verbuchte praktisch überhaupt keinen Impact auf den Klassenerhalt. Auch der im Winter als Notnagel geliehene Jovan Milošević (20) konnte zu selten Eigenwerbung betreiben und kehrt vereinbarungsgemäß zum VfB Stuttgart zurück. Die sportliche Führung sucht deswegen auf dem Transfermarkt händeringend nach mindestens zwei neuen Angreifern – einer davon ist als die neue, torgefährliche Stamm-Neun der Bremer eingeplant.
Fazit
Hinter dem SV Werder Bremen liegt eine extrem unruhige Spielzeit. Nach einer sportlichen Talfahrt musste Horst Steffen seinen Posten räumen, woraufhin Thioune im Februar das Ruder übernahm und die Grün-Weißen am Ende auf Platz 15 zum direkten Klassenerhalt führte. Die anstehende Sommer-Vorbereitung ist an der Weser nun als echter Neustart zu verstehen: Erstmals hat Thioune die Chance, der Mannschaft über mehrere Wochen hinweg seine fußballerische Philosophie und das neue Spielsystem einzuimpfen.
Wie genau dieser Werder-Fußball in Zukunft aussehen soll, machte der Coach zum Saisonende bereits unmissverständlich klar. Neben den klassischen Grundtugenden wie Intensität, Energie, Resilienz und Haltung will Thioune vor allem weg von den vielen langen, hohen Bällen der Vergangenheit. Seine Vision für die neue Spielzeit ist ein mutiger, flacher Kombinationsfußball, bei dem im Zweifel lieber der vertikale Weg in die Tiefe als der risikofreie Pass nach hinten gesucht wird. Zudem fordert er von seinen Profis eine völlig neue Gier in der Rückwärtsbewegung – die Spieler sollen sich auf dem Platz quasi darum streiten, wer den Ball nach einem Verlust am schnellsten zurückerobert.
Dass dieser spielerische Neustart allerdings unter erschwerten Bedingungen stattfindet, liegt an den enormen Fragezeichen im Kader. Aufgrund mehrerer bereits offener Planstellen sowie drohender Abgänge in fast allen Mannschaftsteilen – angefangen bei Abwehr-Juwel Coulibaly über die Mittelfeld-Achse um Stage und Schmid bis hin zu einem möglichen Abschied von Flügelstürmer Njinmah – gleicht das Team aktuell einer Großbaustelle.
Aus diesem Grund ist es zu diesem frühen Zeitpunkt auch kaum möglich, eine verlässliche und fundierte Prognose für die neue Saison abzugeben. Wie konkurrenzfähig die Bremer letztlich in die neue Spielzeit gehen werden, hängt davon ab, welche sportlichen Lösungen die Führungsetage um Clemens Fritz in den kommenden Wochen aus dem Hut zaubert.
Wir freuen uns über eure Unterstützung
Eines liegt uns besonders am Herzen: Diese Prognose ist keineswegs in Stein gemeißelt, sondern soll als Steilpass für den gemeinsamen Austausch mit euch dienen. LigaInsider lebt traditionell von der Diskussion mit der Community. Wir haben eure Kommentare, Einschätzungen und Argumente permanent auf dem Schirm und nutzen euer Feedback liebend gern, um unsere Top-Elf in den kommenden Wochen kontinuierlich anzupassen.
Deshalb übergeben wir das Wort jetzt an euch: Wie gefällt euch das taktische Gerüst unter dem neuen Coach? Setzt ihr auf der rechten Schiene auch auf das Eigengewächs Culbreath oder seht ihr dort einen Neuzugang? Und wie würdet ihr das Luxusproblem in der Doppelspitze lösen? Schreibt uns eure Meinung und eure persönlichen Wunsch-Aufstellungen für die Werkself gerne unten in die Kommentare!
Du kennst dich nicht nur bestens rund um den Verein aus, sondern analysierst das Geschehen auf dem Platz quasi auch rund um die Uhr? Dann melde dich gerne bei uns und bewirb dich als Experte unter folgender E-Mail: „experte@ligainsider.de“. Sollte es matchen, winkt dir ein Status-Upgrade in der App. Mit einem Vereinsbadge ausgestattet, könnten zum Beispiel Beiträge von dir direkt unter den Aufstellungen hervorgehoben werden.
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