In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf den SV Werder Bremen. An der Weser wird nach dem abgewendeten Super-GAU der Vorsaison der sportliche Reset-Knopf gedrückt. Die Vereinsführung um Clemens Fritz zieht nach dem späten Klassenerhalt auf Platz 15 die Konsequenzen aus einer zähen, von spielerischer Armut geprägten Spielzeit und leitet an der sportlichen Basis einen Kurswechsel ein.
Cheftrainer Daniel Thioune, der die Mannschaft erst im Februar stabilisierte, darf sein Konzept nun erstmals in einer vollen Sommervorbereitung implementieren. Thioune verordnet dem Team ein variables 4-3-3-System, das auf maximale Intensität und bedingungsloses Gegenpressing getrimmt ist.
Das neue taktische Kleid offenbart beim Blick auf das Personal allerdings weiterhin einige Risse. Zwar konnte die Torwart-Rochade nach dem Abgang von Mio Backhaus durch den fixen Transfer von Karl Hein sowie die spätere Verpflichtung von Alexander Schlager schnell gelöst werden, auf mehreren Feldpositionen besteht aber weiterhin Handlungsbedarf.
Update: Romano Schmid hat den Verein inzwischen verlassen und sich Frosinone Calcio angeschlossen. Für den Österreicher kassiert Werder rund 8,5 Millionen Euro plus mögliche Bonuszahlungen. Geld, das neben den Backhaus-Einnahmen gut zu gebrauchen ist. Im zentralen Mittelfeld ist auch schon prompt ein Neuzugang im Anflug. Gleichzeitig bleibt ein Verkauf von Karim Coulibaly ein mögliches Szenario zur Einnahmeerzielung. Werder hat seine ursprüngliche Preisvorstellung von rund 40 Millionen Euro inzwischen deutlich gesenkt und wäre laut BILD bei 25 bis 30 Millionen Euro gesprächsbereit.
Torwart: Ein logischer Transfer
Top-Elf: Karl Hein (24)
Nachdem Mio Backhaus für eine stattliche Summe von 12 Millionen Euro plus 3 Millionen an möglichen Boni zum SC Freiburg gewechselt ist, hinterlässt er an der Weser eine Lücke, die nun Hein schließen soll. Der 24-Jährige fungierte in der abgelaufenen Spielzeit noch als die Nummer zwei, wusste aber im Saisonverlauf – insbesondere bei seiner zweiwöchigen Vertretung am 5. und 6. Spieltag – auf ganzer Linie zu überzeugen. Das dürfte mit ein Hauptgrund gewesen sein, warum Werder nicht lange fackelte, die vertraglich verankerte Ausstiegsklausel in Höhe von rund 3 Millionen Euro zog und Hein fest vom Arsenal FC verpflichtete. Mit dem 1,93 Meter großen Hünen im Kasten, der vom Klub auch offiziell als neue Nummer eins bezeichnet wurde, dürfte Werder auf der Torwartposition für die anstehende Saison gut aufgestellt sein.
Mit Alexander Schlager (30) hat Werder inzwischen einen weiteren Torhüter verpflichtet, der Karl Hein im Kampf um den Stammplatz herausfordern soll. Der österreichische Nationalkeeper bringt reichlich Erfahrung mit und stand auch bei der Weltmeisterschaft zwischen den Pfosten. Hier könnte sich noch ein spannendes Duell entwickeln. Hein geht jedoch als Nummer eins in die Saison.
Abwehr: Auf den Außen besteht weiter Bedarf
Rechter Außenverteidiger: Mitchell Weiser (32) | Alternative: Neuzugang
Nach dem Abgang von Leihspieler Yukinari Sugawara klafft auf der rechten Abwehrseite aktuell noch ein Loch. Routinier Mitchell Weiser hat hier aktuell die Nase vorne. Nach seinem bitteren Kreuzbandriss und dem damit verbundenen Komplettausfall in der Vorsaison brennt der 32-Jährige auf sein Comeback. Im fitten Zustand ist er eine wichtige Achse im Bremer Spiel – allerdings verlangt ihm die Rolle in der Viererkette defensiv deutlich mehr ab als seine frühere Paraderolle auf der Schiene.
Werder möchte auf dieser Position weiterhin extern nachlegen. Gerade nach Weisers langer Verletzungspause wäre es riskant, ohne weitere vollwertige Option auf der rechten Abwehrseite in die Saison zu gehen. Einen konkreten Kandidaten, den wir bereits fest mit dieser Planstelle verbinden würden, gibt es aktuell jedoch nicht.
Rechter Innenverteidiger: Amos Pieper (28) | Alternative: Oskar Wójcik (23)
Pieper gehörte in der vergangenen Spielzeit zu den wenigen Konstanten im Bremer Defensivverbund. Selbst eine wochenlange Zwangspause aufgrund einer Risswunde am Knie warf den Innenverteidiger nicht dauerhaft aus der Bahn. Stand er voll im Saft, war Pieper in der Hintermannschaft der Grün-Weißen absolut gesetzt und strahlte Stabilität aus. Ausgestattet mit einem langfristigen Arbeitspapier bis 2029 wird der 28-Jährige auch in der kommenden Saison eine tragende Säule in den sportlichen Planungen einnehmen.
Werder hat sich in der Innenverteidigung allerdings gewappnet. Mit Oskar Wójcik wurde ein Spieler verpflichtet, der das Zeug zur Soforthilfe hat. Der Pole hat in seiner Heimat eine gute Entwicklung genommen und in diesem Jahr sein Debüt in der Nationalmannschaft gegeben.
Linker Innenverteidiger: Marco Friedl (28)
Um den Werder-Kapitän rankten sich in diesem Transfersommer zwischenzeitlich Spekulationen um einen Abgang. Aktuell deutet jedoch vieles auf einen Verbleib hin. Bleibt Friedl an Bord, ist ihm der Platz als linker Innenverteidiger sicher.
Update: Nicht mehr als direkte Alternative in unserer Top-Elf führen wir Karim Coulibaly. Das liegt weniger an seinen sportlichen Qualitäten als an der weiterhin offenen Transfersituation. Nachdem Werder zunächst rund 40 Millionen Euro für den 19-Jährigen aufgerufen haben soll, wären die Bremer inzwischen laut BILD bei einem Angebot zwischen 25 und 30 Millionen Euro gesprächsbereit. Ein konkreter Abnehmer hat sich bislang allerdings nicht gefunden. Coulibaly reiste entsprechend auch mit ins zweite Trainingslager nach Harsewinkel.
Linker Außenverteidiger: Olivier Deman (26) | Alternative: Felix Agu (26)
Deman hat sich nach seiner Rückkehr in der zweiten Saisonhälfte festgebissen und zeigte sich dabei als verlässlicher Linksverteidiger. Damit konnte der Belgier, der 2023 für rund 4 Millionen Euro von Cercle Brügge an die Weser wechselte, erstmals über einen längeren Zeitraum nachhaltig im Werder-Trikot überzeugen. Aufgrund dieser Leistungen hat er auf der linken Abwehrseite aktuell die Nase vorn.
Agu bleibt grundsätzlich ein ernsthafter Konkurrent, wird aber weiterhin von körperlichen Problemen ausgebremst. Der 26-Jährige verpasste aufgrund seiner Beschwerden auch das zweite Trainingslager. Wann er wieder vollständig ins Mannschaftstraining einsteigen kann, lässt sich derzeit nicht verlässlich prognostizieren. Das verschafft Deman zumindest zum Saisonstart einen zusätzlichen Vorteil im Konkurrenzkampf.
Mittelfeld: Schmid-Abgang reißt eine neue Lücke
Defensives Mittelfeld: Senne Lynen (27)
Der Sechser hat zwar zweifellos nicht seine allerbeste Saison hinter sich, bleibt auf der defensiven Schlüsselposition im Bremer Mittelfeld aber dennoch vorerst unantastbar. Der Belgier besticht primär durch seine defensiven Qualitäten: Mit seiner Übersicht und vielen wichtigen Ballgewinnen ist er in der Lage, den Raum vor der Abwehrkette abzusichern – eine Qualität, die gerade im neuen 4-3-3-System mit einer echten, alleinigen Sechs absolut wichtig ist. Hinzu kommt seine enorme Bedeutung abseits des Rasens: Lynen hat sich an der Weser längst zu einem echten Führungsspieler entwickelt, der auch in der Kabine eine gewichtige Rolle einnimmt.
Zentrales Mittelfeld: Jens Stage (29) | Alternative: Neuzugang
„Jens Stage war sicherlich die Lebensversicherung in dieser Saison, aufgrund der vielen Tore, die er geschossen hat, aufgrund der Art und Weise, wie er diese Mannschaft geführt hat“, lobte Cheftrainer Daniel Thioune seinen Mittelfeldmotor vor wenigen Wochen überschwänglich. Ein Wechsel zur TSG Hoffenheim, mit der sich Stage zwischenzeitlich bereits einig war, ist inzwischen vom Tisch. Damit bleibt der Däne für uns zunächst klar in der Top-Elf.
Ganz ausgeschlossen ist ein später Abgang dennoch nicht. Sollte bei Stage noch einmal Bewegung hineinkommen, müsste Werder entsprechend reagieren und einen externen Spieler mit Startelfpotenzial verpflichten. Deshalb bleibt ein möglicher Neuzugang als Alternative hinter ihm aufgeführt.
Zentrales Mittelfeld: Neuzugang | Alternative: Chuki (22)
Hier hat sich die Ausgangslage inzwischen grundlegend verändert. Romano Schmid ist nicht länger Teil der Planungen, sondern hat Werder nach sechs Jahren verlassen und sich Frosinone Calcio angeschlossen. Damit verliert Bremen einen langjährigen Leistungsträger und kreativen Fixpunkt im Zentrum, den es entsprechend zu ersetzen gilt.
Update: Mit Ludovit Reis (26) hat ein Spieler den Kader zumindest schon mal erweitert. Er wechselt von der Club Brügge KV an die Weser. Nach übereinstimmenden Berichten wird für den früheren HSV-Kapitän lediglich eine vergleichsweise geringe Ablöse fällig. Reis ist am Freitag bereits nach Bremen gereist, um den Transfer zu finalisieren. Der Deal ist offiziell. Der Niederländer kommt aus einem schwierigen Jahr: Einen großen Teil der Saison verpasste Reis verletzungsbedingt, konnte sich insgesamt nicht in Brügge durchsetzen. Bundesliga-Erfahrungen kann er obendrein nicht vorweisen. Es bleibt abzuwarten, wie er sich in Bremens Hierarchie sportlich einordnet.
Chuki bleibt als Herausforderer im Blick. Die ersten Vorbereitungswochen verliefen für den Spanier vielversprechend, und gerade während Schmids Abwesenheit übernahm er bereits Verantwortung bei Standards. Gleichzeitig soll dem 22-Jährigen nach seinem Wechsel weiterhin Zeit zur Eingewöhnung gegeben werden.
Angriff: Gleich zwei Plätze bleiben offen
Rechtsaußen: Neuzugang | Alternative: Justin Njinmah (25)
Auf dem rechten Offensivflügel klafft im 4-3-3-System weiterhin eine Lücke. Mitchell Weiser wird defensiv als Rechtsverteidiger gebraucht, während Chuki aktuell verstärkt für das Zentrum eingeplant wird. Die sportliche Leitung beschäftigt sich deshalb weiterhin mit Verstärkungen für die Offensive.
Update: Die Personalie Eren Dinkçi rückt derzeit wieder stärker in den Fokus. Es laufen Verhandlungen. Seine baldige Rückkehr an die Weser ist realistisch.
Bis dahin bleibt Njinmah die naheliegende interne Alternative. Mit seiner enormen Grundschnelligkeit kann er jede Abwehrreihe vor Probleme stellen, ließ in der vergangenen Saison vor dem Gehäuse allerdings noch zu oft die letzte Kaltschnäuzigkeit vermissen. Auch seine eigene Zukunft war in diesem Sommer zeitweise offen.
Stürmer: Neuzugang | Alternativen: Cedric Itten (29), Salim Musah (20)
Die Planstelle im Sturmzentrum bleibt eine der größten Baustellen im Bremer Kader. Werder hat mit Cedric Itten bereits reagiert und einen körperlich starken Mittelstürmer verpflichtet. Der Schweizer bringt die benötigte Wucht für die Box mit und ist im System von Thioune als verlässlicher Wandspieler sowie wertvolle Option eingeplant. In unserer Prognose sehen wir ihn aktuell aber eher als Herausforderer denn als klare Nummer eins. Deshalb hält Werder weiterhin Ausschau nach einem weiteren Angreifer mit Startelfpotenzial. In den vergangenen Tagen kursierten dafür verschiedene Namen.
Aus dem Schatten des Werder-Nachwuchses heraus wittert zudem Salim Musah seine Chance. Der junge Stürmer hat in der Rückrunde erste Spuren hinterlassen und weiß weiterhin zu gefallen. Thioune hat ihm bereits Hoffnung auf zusätzliche Spielminuten gemacht.
Linksaußen: Samuel Mbangula (22)
Mit einer Ablöse von rund 10 Millionen Euro ging Mbangula als zweitteuerster Transfer der Vereinsgeschichte mit einer riesigen Erwartungshaltung in seine Premierensaison. Erfüllen konnte er diese im ersten Jahr allerdings nicht. Der Belgier fand kaum Bindung zum Spiel, wurde phasenweise auf der ungeliebten linken Schienenposition eingesetzt und fand sich in der Rückrunde meist nur noch auf der Bank wieder.
Das Vertrauen der sportlichen Führung in das Potenzial des 22-Jährigen ist dennoch ungebrochen. Im neuen 4-3-3-System darf Mbangula nun endlich auf seiner Lieblingsposition, dem linken Flügel, ran. Wir glauben weiterhin daran, dass ihm im zweiten Jahr der Durchbruch an der Weser gelingen kann.
Fazit
Der SV Werder Bremen begibt sich in der neuen Spielzeit auf eine sportliche Gratwanderung. Die Handschrift von Daniel Thioune ist klar erkennbar: Der Coach will weg vom reinen Reagieren und der Mannschaft einen aktiven, mutigen Offensivstil einimpfen. Die endgültige Qualität der Mannschaft hängt allerdings weiterhin stark davon ab, was in den verbleibenden Wochen auf dem Transfermarkt passiert.
Besonders der Abgang von Romano Schmid verändert die Situation im Mittelfeld. Mit Ludovit Reis steht zwar bereits ein konkreter Nachfolger vor der Tür, dennoch muss sich erst zeigen, wie schnell der Niederländer nach seinem schwierigen Jahr in Brügge wieder sein bestes Niveau erreicht. Stage und Lynen bilden weiterhin wichtige Fixpunkte, Chuki lauert dahinter auf seine Chance.
Offensiv sind sogar zwei Positionen in unserer Top-Elf noch für externe Verstärkungen reserviert. Itten, Njinmah und Musah bleiben wichtige interne Optionen, aktuell sehen wir Werder auf beiden Positionen aber weiterhin mit Bedarf für zusätzliche Startelfqualität.
Auch die Defensive ist noch nicht endgültig fertiggestellt. Rechts hinten soll ein weiterer Spieler kommen, während Agues anhaltende körperliche Probleme die Optionen auf den Außen zusätzlich einschränken. Hinter Coulibaly steht derweil weiterhin ein großes Transferfragezeichen. Sollte Werder den 19-Jährigen noch für eine hohe Ablöse verkaufen, würde das den finanziellen Spielraum für die letzten Baustellen deutlich erhöhen.
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