Niclas Füllkrug ist zurück bei Werder Bremen – und bringt nicht nur Erfahrung, sondern auch jede Menge Selbstvertrauen mit. Der 33-jährige Stürmer wurde von West Ham United ausgeliehen und könnte bereits am Samstag im DFB-Pokal beim Lüneburger SK Hansa (15:30 Uhr) sein erstes Pflichtspiel für die Bremer bestreiten. Ob der Rückkehrer dabei von Beginn an aufläuft, ließ Cheftrainer Daniel Thioune auf der Pressekonferenz allerdings noch offen.
„Ich bin noch nicht final schlüssig, wie wir es am Samstag angehen“, erklärte Thioune. Inhaltlich habe er zwar bereits eine klare Vorstellung, entschieden sei allerdings noch nichts. Dafür ändere sich im Training derzeit zu viel.
„Der Junge hat Energie, Bock und Selbstvertrauen ohne Ende“
Von Füllkrugs Auftreten zeigte sich der Werder-Coach derweil sichtlich angetan. Thioune hatte sich unter anderem dessen Pressekonferenz zur Vorstellung angesehen und dabei einen Spieler erlebt, der mit großer Energie nach Bremen zurückgekehrt ist.
„Ich habe es mir angesehen und mir gedacht, der Junge hat Energie, Bock und Selbstvertrauen ohne Ende, das könnten wir in Flaschen abfüllen und verkaufen“, sagte Thioune. Füllkrug könne damit auch etwas gegen eine vermeintliche Lethargie innerhalb der Mannschaft setzen.
Der Rückkehrer werde „Raum einnehmen“, gleichzeitig habe alles, was er sage, „Hand und Fuß“. Gerade seine Erfahrung könne für die Mannschaft wertvoll sein – nicht zuletzt für junge Spieler wie Salim Musah. Thioune habe zudem den Eindruck gewonnen, dass die Mannschaft sehr froh darüber sei, Füllkrug wieder bei sich zu haben.
„Er ist nicht gekommen, um das hier zu verwalten, sondern er will mit anschieben“, stellte Thioune klar. In welcher Rolle Füllkrug das konkret tun wird, soll gemeinsam definiert werden. Für den Trainer steht ohnehin zunächst etwas anderes im Vordergrund: „Es geht jetzt nicht darum, dass er uns entwickelt und wir ihn teilweise nur nutzen, sondern erst mal darum, die beste Performance von ihm zu bekommen.“
Thioune will Füllkrug demnach nicht lediglich als erfahrenen Führungsspieler einsetzen. Vielmehr soll der Angreifer selbst wieder zu seiner bestmöglichen Leistungsfähigkeit finden. „Sky is the limit“, meinte der Coach. Seine Idee sei es, Füllkrug „wieder bestmöglich in die Verfassung zu bringen“, sodass er auch für andere wieder interessant werden könne.
Thioune über Füllkrugs Fitness: „Er ist nicht auf der Bremse“
Wie weit Füllkrug körperlich bereits ist, kann Thioune nach den ersten gemeinsamen Tagen noch nicht abschließend beurteilen. Der 33-Jährige sei zwar gesund und habe trainiert, zuletzt allerdings nur überschaubare Spielzeit gesammelt.
„Es ist jetzt nicht so, dass er die letzten Monate die Abläufe bekommen hat, aber er war gesund, hat trainiert“, erklärte Thioune. Füllkrug kam zuletzt bei der AC Mailand häufig von der Bank und hatte entsprechend wenige längere Einsätze.
Davon ist aktuell aber nicht so viel zu spüren. „Gestern hat er einen guten Eindruck auf mich gemacht. Heute auch wieder“, so Thioune am Donnerstag. Füllkrug halte sich zudem in den Zweikämpfen nicht zurück: „Er ist jetzt nicht jemand, der das Gaspedal voll durchtritt, aber es ist nicht so, dass er auf der Bremse steht.“
Wie weit Füllkrug tatsächlich ist, soll sich deshalb erst unter Wettkampfbedingungen zeigen. „Ich glaube, dass er uns viel geben kann“, sagte Thioune. Gleichzeitig bat der Trainer um Zeit, damit sich Spieler und Mannschaft noch besser aneinander gewöhnen können.
Ein Startelfeinsatz im Pokal bietet sich angesichts des unterklassigen Gegners dennoch an. Thioune stimmte dieser Einschätzung der Journalisten auf dem Podium grundsätzlich zu – verwies aber zugleich auf die Konkurrenzsituation.
Itten, Musah und Füllkrug: Werder hat plötzlich mehrere Optionen
Denn mit Cedric Itten hat Werder im Sommer einen weiteren neuen Stürmer verpflichtet. Der 29-Jährige kam von Thioune-Ex-Klub Fortuna Düsseldorf und ist ebenfalls Teil der Mannschaft. Das Pokalspiel könnte deshalb auch für ihn eine wichtige Gelegenheit sein, weitere Abläufe zu verinnerlichen.
„Es ist vielleicht auch die Möglichkeit, Cedric Itten eine Chance zu geben, um nach den erst zwei Wochen, die er bei uns ist, dann auch in Abläufe zu kommen“, erklärte Thioune. Gleichzeitig könne Salim Musah für seine gute Vorbereitung belohnt werden.
Füllkrug eröffnet dem Trainer damit eine neue Situation im Angriff. Noch vor einigen Wochen hatte Thioune erklärt, dass Werder beim gesuchten Stürmerprofil aufpassen müsse, nicht erneut einen ähnlichen Spielertypen zu Itten zu verpflichten. Mit der Verpflichtung Füllkrugs hat sich diese Ausgangslage verändert.
Thioune räumte ein, dass die früheren Aussagen auch eine Form von „Selbstschutz“ gewesen seien. Werder habe sich bereits seit Wochen mit Füllkrug beschäftigt, die Verpflichtung sei lange Zeit allerdings nicht umsetzbar gewesen. „Klar prüft man immer, ob da eine Chance besteht“, so der Trainer. Gleichzeitig habe Füllkrug letztendlich auf viel verzichtet, „um hier wieder spielen zu dürfen“.
Dass sich die Situation nun doch ergeben hat, zwingt Thioune auch dazu, seine bisherigen Überlegungen anzupassen. „Wenn man einen Spieler von dem Format bekommt und eine Ähnlichkeit im Kader schon sieht, muss man manche Dinge überdenken“, erklärte er.
Zwei wuchtige Stürmer? „Wir schließen erst mal nichts aus“
Und genau das könnte auch taktische Konsequenzen haben. Thioune will sich bei der Besetzung des Angriffs nicht mehr auf ein bestimmtes System festlegen. Ein klassisches Spiel mit nur einer Spitze ist keineswegs alternativlos.
„Vielleicht muss man auch mal über eine Systemänderung nachdenken, vielleicht auch mal über zwei wuchtige Stürmer nachdenken, auch mal wieder über eine Dreierkette nachdenken. Das ist alles offen“, sagte Thioune.
Damit könnte die Verpflichtung Füllkrugs nicht nur für mehr Konkurrenz im Sturm sorgen, sondern auch die taktische Ausrichtung verändern. Eine Doppelspitze aus Füllkrug und Itten oder Musah wäre aufgrund ihrer körperlichen Präsenz durchaus eine Option.
Thioune verwies dabei auf Mainz, das in der vergangenen Rückrunde ebenfalls mit zwei kräftigen Angreifern gearbeitet habe, nachdem Tietz zum Kader gestoßen war. „Wir schließen erst mal nicht aus, dass es bei uns auch die Kombination mit zweien von Beginn an geben kann“, stellte der Werder-Coach klar.
Thioune betonte, dass sich auch seine eigenen Vorstellungen verändern und modifizieren dürften, wenn sich dadurch die beste Lösung für Mannschaft und Verein ergibt.
Itten bleibt gelassen: „Er ist ein Profi und ein Teamplayer“
Für Itten bedeutet die Ankunft Füllkrugs derweil einen prominenten Konkurrenten. Thioune hat bereits offen mit dem Neuzugang über die veränderte Situation gesprochen.
„Ich habe gestern mit ihm über die Situation gesprochen, das ist völlig normal“, berichtete der Trainer. Entscheidend sei ein offener und ehrlicher Austausch. Itten sei ohnehin bewusst gewesen, dass noch ein weiterer Stürmer kommen würde – mit einem Spieler von Füllkrugs Format habe er allerdings vermutlich nicht gerechnet.
Trotzdem sieht Thioune keinen Grund zur Sorge. „Cedric ist Profi und ein Teamplayer“, betonte er. Bei der Weltmeisterschaft habe Itten ebenfalls nicht nach Spielzeit verlangt und sei zuverlässig gewesen, wenn er gebraucht wurde.
Für Werder ist die neue Situation deshalb vor allem ein Luxusproblem. „Letztes Jahr musste ich Spieler reinwerfen, die nicht fit waren, jetzt habe ich viel mehr Breite im Kader“, erklärte Thioune. Nun liege es an den Stürmern, ihre Chancen zu nutzen.
Und Füllkrug soll dabei nicht automatisch gesetzt sein. Thioune machte deutlich, dass am Ende Leistung und Qualität entscheiden: „Wenn sie angeboten wird, nehme ich das, was ich bekomme. Dann ist es auch egal, wie alt man ist und was man schon alles gesehen hat.“
Füllkrug dürfte bei Werder also eine wichtige Rolle einnehmen. Welche genau, ist noch offen. Klar ist dagegen: Mit seiner Rückkehr haben die Bremer im Angriff deutlich mehr Möglichkeiten – und Thioune plötzlich auch die Freiheit, seine taktischen Vorstellungen neu zu denken.



Ich hab ihn geholt. Jetzt weiß ich nicht weiter...
Ludo auf Lücke im Derby... Bei der Vorstellung bekomme ich "Fressbrett-Spasmen" :D
Schauen wir doch mal, was da kommt ;)
Sky is the limit, lol, der soll erstmal 10 Spiele am Stück unverletzt bleiben.
Ok also wird Füllkrug erstmal noch nicht in der S11 stehen
vieles zum Nachdenken da in Bremen und beim Trainer aufjedenfall.
Ob dann am Ende ausreichend und vielleicht sogar zu viel nachgedacht wurde wird sich zeigen
Scoutingbericht zu Daniel Thioune
Geschwafelt wie ein Großer: Check
Spruch geklaut von Thomas Tuchel: Check
Werder Bremen erstligareif auf die Saison vorbereitet:
Also wenn du "sky is the limit" meinst tut es mir leid dich entäuschen zu müssen. Den Spruch hat auch Tuchel nicht erfunden.
Ich habe beim anklicken der News irgendwie mit einem kürzeren Text gerechnet.... :)
Verstehe grundsätzlich die Euphorie, aber habe meine Bedenken, dass Lücke die jetzt so weit nach vorn bringt.
Er ist eine Verstärkung, keine Frage. Aber Wunderdinge sollte man jetzt auch nicht zwingend erwarten.
Wird er starten?
Im Pokal wird glaub Itten starten, einfach damit er auch mal ran darf und Füllkrug noch etwas Eingewöhnungszeit bekommt.
In der Liga würde ich schon von ausgehen, dass Füllkrug viel starten wird.
Stimme Niggo da zu.
Hat auch den Vorteil, dass man Itten direkt ein bisschen Vertrauen gibt.
Fülle kannst dann von der Bank bringen, um nochmal "richtig nachzulegen", auch was Mentalität angeht. Gerade, wenn Werder sich (mal wieder) schwertun sollte...
Hoffe bei Lücke auf den "Pizarro-Effekt", der jedes Mal ein Einfluss auf das Bremer Spiel hatte, sobald er eingewechselt wurde.