Endlich wieder Donnerstag! Bevor morgen der 4. Spieltag beginnt, hört am besten schon jetzt in die neue Folge unseres Podcasts „Gamechanger am Donnerstag“ rein.
Fadi, Sveno und Lukas sind diese Woche am Start, kümmern sich wie gewohnt um alle Match-Ups und bringen ihre Gamechanger ins Spiel. Dazu kommen zum Abschluss dann natürlich die Shrimps auf den Grill, also die absoluten Unterschiedsspieler des Spieltags inklusive Treffergarantie. ⚽
Rückkehr der Trainer-Pyramide
Nach drei Spieltagen gibt es nun auch genug Eindrücke für Sveno und sein Komitee, um die Trainer-Pyramide wieder zu aktivieren. So sieht das erste Ranking vor dem vierten Spieltag aus:
Die ausführliche Begründung dazu gibt es natürlich im Podcast, inklusive der Einschätzungen der anderen Hosts. Wir haben euer Feedback und den Wunsch nach mehr Hintergründen aufgenommen. Sveno und sein Team bieten euch daher ab sofort zu jeder neuen Entscheidung eine kurze Einschätzung. Diese Woche fällt sie etwas umfangreicher aus, ab kommender Woche dann nur noch zu allen Veränderungen. Diskutiert gerne mit und erklärt, welche Trainer ihr basierend auf den beeinflussbaren Faktoren eines Trainers anders einordnen würdet und warum.
Hintergründe:
Stufe 1
Niko Kovač (Dortmund)
Kovač ist für uns gerade der Inbegriff von Souveränität. Er strahlt eine Ruhe, Gelassenheit und Schärfe aus, die die Konzentration bei Dortmund hochhält, und die Zahlen bestätigen das: zwei Gegentore aus 3,2 zugelassenen xG, sieben Punkte bei 5,6 erwarteten. Dortmund steht genau da, wo es stehen muss, und ist noch lange nicht am Limit. Und wir haben durch ihn diese Gewissheit: Ab jetzt jedes Spiel gewinnen, zweimal Unentschieden gegen Bayern, und wir sind Meister. Genau das strahlt er aus. Deshalb klar die Eins.
Stufe 2
Vincent Wagner (Elversberg) und Julian Schuster (Freiburg)
Wagner ist abseits des Platzes ein grandioser Kommunikator, er erreicht das Team komplett. Und er hat einen mutigen Ansatz, im Gegensatz zu den anderen Aufsteigern: acht Tore aus 4,6 xG, dazu ein erzeugtes xG, das 1,2 über dem liegt, was wir Elversberg vor den Spielen zugetraut hatten. Elversberg zuzuschauen macht gerade richtig Spaß. Das ist ein echtes Trainertalent, und wer so startet, steht auf Stufe 2.
Das gilt auch für Schuster. Er ist ein absoluter Fachmann für Freiburg und weiß genau, was er da tut. Am Beispiel Matanović sieht man, wie er seine Spitzenspieler fordert und fördert. Er holt das Maximum aus der Truppe, mit einer Konstanz, die für Freiburg emblematisch ist: zehn Tore aus 6,2 xG, hinten ein Gegentor bei 1,5 zugelassenen xG, und das bei 2,25, die wir vor den Spielen erwartet hatten. Als Tabellenführer aus Stufe 2 gar nicht wegzudenken. Damit verdrängt er Kompany auf Stufe 3.
Stufe 3
Vincent Kompany (Bayern), Manuel Baum (Augsburg), Christian Ilzer (Hoffenheim)
Bei Kompany werden gerade zwei, drei Sachen schleifen gelassen, und das überträgt sich aufs Team. Sechs Tore aus 8,8 xG erzählen dieselbe Geschichte. Grundsätzlich ist er aber neben Kovac die größte Trainerfigur der Bundesliga, deshalb ist unter Stufe 3 gar nicht möglich.
Baum ist gerade der absolute Overperformer, offensiv wie defensiv: sieben Punkte bei 3,5 erwarteten, drei Gegentore aus 7,0 zugelassenen xG, acht Tore aus 6,0. Das wird ihn einholen, deshalb kann er nicht höher stehen als Stufe 3. Gleichzeitig spricht es für seine Fähigkeiten außerhalb des Platzes, dass er die Truppe so zusammenbekommt, dass die Konzentration hoch bleibt und die Schwächen des Gegners genutzt werden, wenn sie da sind. Baum ist mit Augsburg am Maximum unterwegs.
Bei Ilzer sehen wir, dass Fußball für uns nicht nur ein Ergebnissport ist, sondern es auch um Ideen geht. Spielerisch geht es bei Hoffenheim immer weiter nach vorne, mit großer Variabilität in der Offensive, neuen Spielern, die integriert werden, Rückkehrern, die eingebunden werden. Das ist smart, und es steht auch in den Daten: 1,15 xG mehr erzeugt, als wir vor den Spielen erwartet hatten. Wenn er es schafft, in der Defensive die Konzentration wieder hochzuhalten, mit der Hoffenheim so oft zu kämpfen hat, dann ist das wieder ein Top-Team. Der Sieg gegen Stuttgart hat gutgetan und war vielleicht die Initialzündung.
Stufe 4
Urs Fischer (Mainz), Miron Muslić (Schalke), Adi Hütter (Frankfurt), Carles Martínez (Leverkusen)
Fischer macht genau das, was er macht. Es ist stabil und gut, und es passt zu Mainz, das offensiv 2,1 xG mehr erzeugt hat, als wir erwartet haben, aber mit vier Punkten bei 6,2 erwarteten deutlich unter Wert steht. Wir glauben aber, dass seine Ansätze Grenzen haben. Er hängt bei den Basics, die funktionieren, für den Sprung nach ganz vorne müsste mehr kommen. Deshalb Stufe 4.
Muslić holt gerade das Maximum aus Schalke heraus, vier Gegentore bei 7,6 zugelassenen xG. Man ist dabei nicht bei der ursprünglichen Identität geblieben, sondern macht es über Teamzusammenhalt, und er ist der totale Anführer. Das muss man ihm zugutehalten. Wenn er in der Pyramide nach oben will, muss aber noch mehr passieren.
Bei Hütter merkt man Klarheit und Ruhe, und er überträgt beides aufs Team. Er hat auf Dreierkette umgestellt, ist variabel, passt sich an seine Spieler an, und Frankfurt erzeugt 1,3 xG mehr, als wir vor den Spielen angesetzt hatten. Ebnoutalib hat er auf die Bank gesetzt, das ist hart, aber er hat ihn zum Nationalspieler gemacht. Ob er ihn wieder einbindet, obwohl die Dreierkette gerade gut funktioniert, daran messen wir ihn. Zwei solche Jungs zu haben ist eine echte Traineraufgabe. Das Vertrauen ist maximal, deshalb Stufe 4 und nicht Stufe 5, wie vielfach gefordert.
Bei Martínez gibt es viele Fragen. Es gibt stabile Ideen, über die Flügel wird angegriffen, offensiv liegt Leverkusen 1,6 xG über unserer Prognose. Aber man darf nicht darauf verharren, es braucht mehr Variabilität, auch im Zentrum. Und in der Defensive fehlt der Zugriff im defensiven Mittelfeld, man wird zu leicht überspielt: fünf Gegentore aus 2,8 zugelassenen xG, vier Punkte bei 6,8 erwarteten, der größte Underperformer der Liga. Das sind Traineraufgaben, und die hat er noch nicht erfüllt. Dafür ist der Kader zu gut. Über Stufe 4 geht hier nichts.
Stufe 5
Martín Demichelis (Leipzig), Sebastian Hoeneß (Stuttgart), Daniel Thioune (Bremen), René Wagner (Köln), Ralf Kettemann (Paderborn)
Fünf Trainer, die alle auch aus der Pyramide hätten fliegen können.
Demichelis ist in Leipzig noch nicht angekommen. Spieler werden noch nicht richtig eingesetzt, die Bewegungen, die Verknüpfung von Mittelfeld und Flügeln zum Stürmer, das ist alles noch in der Findungsphase. Die zwei Siege kamen gegen richtig schlechte Gegner, und trotzdem lag das erzeugte xG 0,7 unter dem, was wir erwartet hatten. Da muss noch viel beantwortet werden.
Hoeneß macht viel zu viele Fehler. Der neue Ansatz im Zentrum macht Stuttgart hinten instabil, 5,6 zugelassene xG bei 3,2 erwarteten, und vorne hat man noch keine Idee gefunden. Demirović neben Pejčinović aufzustellen, das sind Fehler, die so nicht gehen. Dazu ist er außerhalb des Platzes mehrfach negativ aufgefallen, weil er an Schrauben drehen will, die er nicht in der Hand hat. Das ist nie ein gutes Zeichen. Er muss zulegen, das Talent hat er.
Bei Thioune gibt es keine offensive Spielidee. Defensiv ist Bremen durchaus stabil, vorne kamen die fünf Tore aus 2,6 xG, und das erzeugte xG lag unter unserer Prognose. Nach vorne muss deutlich mehr gehen, um die Bremen-DNA zu heben.
Bei Wagner ist die Entwicklung der letzten Saison noch nicht richtig weitergegangen. Man ist vielfach zu passiv, und wenn ein Spieler sagt, man habe zeitweise 20, 25 Minuten nicht gewusst, was man auf dem Platz tun soll, ist das ein riesiges Alarmsignal. Durch die Passivität passieren dann Gegentore, und dann wird es mit langen Bällen auch viel zu einfach. Man hat jetzt Spieler dabei, mit denen man viel mehr machen kann. Das muss er zeigen, gerade gegen Hamburg ist jetzt die Chance, sich zu beweisen.
Kettemann ist der Letzte auf Stufe 5, und den Platz mussten wir besetzen. Gezeigt hat er noch nichts, null Tore aus 2,0 xG. Im Vergleich zu Elversberg und Schalke ist Paderborn klar hinten dran. Er ist einfach nur besser als die drei auf der Bank.
Auf der Bank
Jan-Moritz Lichte (Gladbach), Mauro Lustrinelli (Union), Merlin Polzin (Hamburg)
Lichte ist Interimscoach, dazu muss man nichts sagen.
Bei Lustrinelli gibt es keine Balance im Spiel. Wenn du vorne gefährlich sein willst, musst du hinten etwas aufgeben, zehn Gegentore aus 7,1 zugelassenen xG. Ein ganz schlechtes Zeichen für einen Coach. Wir glauben auch nicht, dass das die richtige Formation für Union ist. Und wenn Spieler schon sagen, das passe nicht zum alten Union, dann muss man sich entweder komplett dem neuen Coach verschreiben und es durchziehen, oder es ist bald zu Ende.
Bei Polzin soll die Vertragsverlängerung kommen, und zwei Tage später vielleicht die Entlassung. Da passt gar nichts: nach vorne ungefährlich, null Tore, hinten völlig offen, zwölf Gegentore aus 6,7 zugelassenen xG, die schlechteste Abwehr der Liga gegen die eigene Erwartung. Der beste Indikator sind die vielen Fehler. Das ist keine rein individuelle Sache, sondern teamtaktisch: Fehler passieren in jedem Bundesliga-Team, aber wenn sie so konsequent mit Gegentoren bestraft werden, stimmt in der ganzen Ausrichtung etwas nicht. In Hamburg muss man sich komplett zusammenreißen. Für Polzin gibt es gerade keinerlei Argumente, in der Pyramide stattzufinden.
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